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Über Werte und Interessen

und über die Moral von der Geschicht
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Wer etwas anderes als Wirtschaftsinteressen zur Priorität erhebt, gilt schnell als naiv.  Politiker wie Gerhard Schröder finden, es müsse  weniger um Werte gehen als um Interessen. Er steht damit nicht alleine. Das heißt nichts anderes, als dass es unerheblich ist, ob etwas ´richtig´ oder ´falsch´ ist, es muss bloß dem eigenen Vorteil dienen.

Mich friert bei solchen Thesen.

Es ist mir dabei vollkommen klar, dass globale Probleme auch global gelöst werden müssen. Aber das bedeutet nicht, dass nicht jedes einzelne Land Schritte in die richtige Richtung unternehmen sollte. Ich halte es für naiv warten zu wollen, bis die Welt sich geändert hat. Die Starken gehen voran.

Ohne Moos nix los, sagt mein Bruder. Ich streite es nicht ab. Klar. Aber ohne Gesundheit auch nicht. Ohne Frieden. Ohne Liebe. Ohne Heim. Wer ein gläubiges Wesen ist, der würde sagen ohne Gott geht nichts. Wie man die Wirtschaft allen anderen Belangen überordnen kann, kann man das mit diesen umkehrt ebenso tun. Die Reihenfolge ist beliebig. 

Die CDU bebt unter Skandalen, und die Partei scheint versucht sich entsetzt von sich selbst abzuwenden. Ob geschmacklose Deals, Veruntreuung oder Korruption im großen Stil – wenn man den eigenen Vorteil über alles stellt, wird´s mies. Interessen müssen sich Werten unterordnen, es muss eine innere Haltung erkennbar sein, die sich an Werten orientiert, sonst wird´s unglaubwürdig. Und wenn für Beobachter keine stringente Linie mehr erkennbar. ist, geht es baden. In der SPD weiß man das, (außer Schröder halt, der kennt keine Fehler), die CDU lernt es gerade.

Noch viel übler, so übel, dass mir schlecht wird, ist die Verstrickung zwischen Politik und Pharmaindustrie. Die Welt ächzt unter Corona. Lateinamerika, dieser geplagte Kontinent, hat es besonders schwer getroffen. Geimpft ist man aber da am meisten, wo die Leute leben oder sich gerne aufhalten, die viel Geld haben – auf den Seychellen, den Malediven, in Arabien.  Hierzulande wird um jede Dosis gerungen.  Und die Pharmariesen hocken auf den subventionierten Patenten, spielen jeden Trumpf aus und verschieben Vakzine palettenweise an den, der das beste Angebot macht. Man muss kein Verschwörungsfan sein, um da nicht an der guten Absicht zu zweifeln.

Geht´s noch?

Dafür, dachte ich, haben sie so viel Geld bekommen, für Forschung und Entwicklung, dafür hat man jede bürokratische Hürde in Windeseile so angelegt, dass sie auf jeden Fall genommen werden konnte. Weil die Welt sie braucht, diese Forscher, dringend. Und welche Freude – sie hatten Erfolg. In Rekordzeit waren die ersten Impfstoffe entwickelt.

Sie würden Orden und Würden, Respekt und Bewunderung verdienen. Auch Geld, ganz klar. Es muss ja keiner die Rettung der Welt alleine stemmen. Tolle Leistung! Danke!

Ich hätte gedacht, nun würde produziert in jedem Winkel der Erde. Ich hätte gedacht, diese Patente, die so großzügig geförderten, die gehörten jetzt der Weltgemeinschaft, und jede Fabrik zwischen Reykjavik und Santiago de Chile, zwischen San Francisco und Sydney würde jetzt diese Impfstoffe produzieren, und im Nu wären alle, die wollen, geimpft. Und die Welt wäre gerettet, zumindest von dieser Krise, und sie wäre dankbar.

Ich bin noch immer fassungslos, dass das nicht geschieht. Die Pharmariesen behalten die Patente unter Verschluß und beanspruchen den fetten Reibach. Und darin werden sie von Politikern und anderen Entscheidungsträgern noch unterstützt.

Neulich habe ich im Schwarzwälder Boten ein Interview gelesen, ich weiß nicht mehr, ein Chef einer Krankenkassenvereinigung oder was, einer, der sich für die Belange der Kranken zuständig fühlen sollte. Der fand das völlig in Ordnung, dass die Pharmagiganten nicht gezwungen werden – es gäbe die juristischen Mittel, so habe ich es verstanden – die Patente rauszurücken und zu teilen. Er aber meinte, das wäre ein Vertrauensbruch, die Pharmaproduzenten würden davon ausgehen, dass sie von eigener Leistung auch selbst profitieren. Und am Ende wäre es kontraproduktiv sie zu zwingen:  sie hätten sonst in einer späteren Pandemie keinen Anlaß mehr sich zu engagieren.

Wie bitte? Hat der sie noch alle?

Es ist ein Vertrauensbruch, dass die sich die Entwicklung haben sponsern lassen - während vielen das Wasser bis zum Hals steht und viele nach Unterstützung verlangen – und dennoch will man jetzt rausholen, was rauszuholen ist.  Als ginge die Medizinbranche – und dazu zähle ich die Pharmaproduzenten - das Leiden der Welt nichts an. DAS ist ein Vertrauensbruch. Man tut noch nicht mal so, als ginge es um die gute Absicht. Und man spielt skrupellos jeden Trumpf aus, den man sich in gut ausgeklügelter Lobbyarbeit ausgehandelt hat, und kauft die Politik.

Wenn sie nun nichts verloren hätten, wenn sie nur zwischendurch mal eben dies andere, drängende Projekt durchgezogen hätten, weil eben Not am Mann war, wenn sie danach da weiter gemacht hätten, wo sie zuvor stehen geblieben waren, so pi mal Daumen, wenn also nichts verloren und umsonst wäre - die reine Arbeit ist bezahlt - und der Gewinn wäre in erster Linie Ruhm und Ehre, weil Millionen Leben weniger geplagt oder gar gerettet wären – das wäre kein Anreiz in einer neuen Pandemie? Echt jetzt?

Ein Arzt soll gut verdienen. Er hat ein langes und schweres Studium zu absolvieren und eine verantwortungsvolle Aufgabe. Aber wenn er das nur macht, weil der Kittel so schön weiß ist und der Porsche in der Garage so schick, dann ist er ein schlechter Arzt. Und bilde sich niemand ein, das würde man nicht merken. Weshalb entwickelt einer Medikamente? Weil er gerne Reagenzgläser schüttelt und Petrischalen stapelt, oder weil er heilen will?

Geld ist Lohn, nicht die Aufgabe.

Der Krankenkassentyp sieht das anders.

Die Herren bei Daimler sicher auch. Und die bei Porsche auch. Porsche hat während des ersten Lockdowns Kurzarbeit angemeldet und direkt danach Sonderschichten gefahren und Dividenden ausgezahlt. Daimler tut das jetzt  - Dividenden erhöhen und auszahlen, nachdem man eine dreiviertel Milliarde Kurzarbeitergeld beansprucht hat.

„Man habe gezeigt, wozu das Unternehmen fähig ist“, lobte man sich selbst in der Hauptversammlung.

Das hat man, in der Tat. Man hat gezeigt, wie asozial man eigentlich drauf ist.

Das sei eine Versicherungsleistung gewesen, rechtfertigen sich die Chefs des Konzerns, die Argumentation der arbeitslos gemeldeten benutzend, die nicht jeden blöden Job annehmen möchten. Aber in diesen Zeiten und Höhen und Mengen ist das nicht Versicherungsleistung, sondern Steuergeld, und also ist das astrein eine Umverteilung von Vermögen von unten nach oben.

Sinn für Gemeinwohl – Fehlanzeige.

Arbeitslose, bei denen der Versicherungsfall etwas länger eintritt, sehen sich überdies konfrontiert mit der Strategie des Jobcenters „Fördern und Fordern“. Der Erhalt dieser Versicherungsleistung ist nämlich nicht frei von Forderungen und Verpflichtungen. Dazu gehörten schon Arbeiten wie das Müllsammeln in gelber Jobcenterkutte zum Stundenlohn von 1 Euro. Üppige 100 Euro durfte man so erwirtschaften ohne die Versicherungsleistung aberkannt zu bekommen. Die ist letzten Endes nämlich an Bedürftigkeit  geknüpft.

Es ist nicht alles richtig, was legal ist. Und nicht jedes Interesse hat einen Wert.

Corona, das ist mittlerweile Binsenweisheit, ist ein Brennglas, unter dem Schwachstellen und verborgene Haltungen sichtbar werden. Das ist so in allen Bereichen. Wir sehen jetzt überdeutlich, es geht nicht um die Aufgabe, es geht um deren höchst anzunehmenden Geldwert. Das ist schade. Denn der ist eigentlich nur Mittel. Gehen würde es um die Aufgabe.

Ich erwarte nicht, dass ein CEO das versteht. Und überdies ist mir nur zu klar, dass der Markt überhaupt nichts regelt und schon gar nicht von alleine. Ihm geht es um Kundenbindung und Absatz, und da benutzt er Mittel, die meinen Begriffen von Freiheit bisweilen sehr widersprechen. Ich habe nichts gegen Staatsmacht, solange jedenfalls, wie die sich als dem Gemeinwohl verpflichtet erweist. Und was gemeinwohldienlich ist und was nicht, das traue ich mir zu unterscheiden zu können.

Mag sein, es haben Leute Erfolg mit dieser Verdrehung von Aufgabe und Verdienst und von Freiheit und Eigennutz. Ich bin überzeugt, der Erfolg wird nicht von Dauer sein. Solches Raubrittertum  ist  asozial und kommt auch so an und also ist es ´nicht nachhaltig´.  ´Nachhaltigkeit´,  ich weiß, ist ein beliebtes Wort der Naiven, derer, die andere Prioritäten setzen als Wirtschaft. Aber eigentlich müsste es unser aller Wort sein. Was ist denn die Alternative? Was geschieht mit all den Prozessen, die nicht nachhaltig sind? Sie scheitern. Früher oder später, aber sie tun es. Und das mitunter ganz ganz übel. Und das ist sie denn auch, die Moral der Geschicht: ohne sie geht es nicht.

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