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  • Kolumne

    Die Kolumne von
    Beate Kalmbach

Die in der Kolumne formulierten Meinungen geben ausschließlich die Auffassung des jeweiligen Verfassers wieder.

Bestandsaufnahme KW26/2020

Halbzeit
Rottweil, 28.06.2020 von Beate Kalmbach
copyright Rottweil inside

Das Jahr fing gefühlt Mitte März an und das mit einem Ende, mit dem Ende des gesellschaftlichen Lebens. Alles Vorherige gehört in eine andere Epoche. Die ersten Wochen des neuen Jahres waren daher von Umwälzungen bestimmt. Als wäre die ganze Familie ausgewandert. In der Fremde ist man ähnlich auf sich und die seinen begrenzt und lernt mit jedem Tag die Regeln der Umgebung neu. Das Fremdsein wird schnell ´normal´, das Vertraut-werden dagegen dauert lang, und selbst kleine Erkenntnisse fühlen sich an wie Meilensteine auf dem Weg zu neuer Sicherheit. Ostern mit Corona war wie Weihnachten in Byron Bay - surreal.

Wir waren nie Meister fester Strukturen und Abläufe. Nicht, weil wir keinen Wert darauf legten, das tun wir, aber manchmal drängt sich auch etwas anderes auf, manchmal ist ´Regelmäßigkeit´ nicht das dringlichste Problem. Die Strukturlosigkeit dieser plötzlichen Fremde gab uns nun den Rest. Quasiferien, Alltag und Katastrophe, Zäsur, Protest und Normalität, und homeschooling, das irgendwie auch – chapeau, wer da Überblick und Ordnung behält. Wir ergaben uns dem Fluß der Dinge und hielten die Köpfe oben. Wenigstens sind wir nicht so schlecht darin, unser bestmögliches aus einer Lage zu machen. Mitunter hatten wir viel Spaß in diesem Gewässer und wir lernten viel von – und miteinander. Und wie die Schule jetzt wieder anfängt, stellen wir fest - es geht. Dem Großen war es durchaus kein großer Schock. Das frühe Aufstehen ist nach wie vor ungeliebt, aber als ich ankündigte ´bald wieder volle Wochen´ zeigte er sich bereit – er will. Das hat mich gefreut. (Wir sind uns einig, dass wir uns eine 9-Uhr-Schule wünschen. Der etwas spätere Beginn nahm viel Dampf aus den Tagen). Und auch schulstofflich kommt er mit; manche Kinder strecken schon, da hat die Lehrerin noch nicht mal den Satz zu Ende gesagt, er muss noch kurz überlegen, aber dagegen ist nicht viel einzuwenden. ´Puh´. Erstmal. 

Im Mai  wurden in Sibirien innerhalb des Polarkreises 30 Grad Celsius gemessen.  Und die EU beschloss ein 500 Milliarden schweres Wirtschafts-Soforthilfeprogramm, das erste von einer ganzen Reihe weiterer.  Die Wirtschaft soll alles wieder aufholen, so schnell wie möglich, und weiterwachsen, wohin auch immer. Der Permafrost taut. Die Lufthansa wird mit 9 Milliarden ´gerettet´ und fliegt mit vollbesetzten Flugzeugen auch wieder fleißig Inlandsflüge. Und Porsche fährt direkt nach der Kurzarbeit Sonderschichten. Versteh wer will.

Bill Gates schickt sich an die Welt zu retten. Ich weiß nicht wie hoch genau die Summe ist, aber er scheint bereit zu sein, ziemlich viel seines Reichtums in die Erforschung eines Impfstoffes zu stecken. Das soll ich jetzt wohl bewundern. Aber eigentlich finde ich es anmaßend. Abgesehen davon, dass ich solche Dimensionen von Reichtum fragwürdig finde, wäre es nicht an einer Einzelperson oder deren Stiftung, diese Forschung zu lenken, sondern an übergeordneten, möglichst globalen Institutionen. Die Uno mag überarbeitungsbedürftig sein, aber ich meine, sie ist unverzichtbar und braucht eher mehr, als weniger Einfluß. Es würde genügen, Bill Gates überwiese Geld, und wenn er dann schon dabei ist, könnt er auch gleich noch an das WorldFoodProgram überweisen. Dann müssten sie im Jemen nicht verhungern.

Das Virus ist noch fieser als gedacht. Es verändert sich rasch, und Antikörper nehmen anscheinend schnell ab. Und selbst wer symptom – oder komplikationslos infiziert war, kann  Schäden an Herz und Lunge zurückbehalten. Das ist fies!

In Brasilien juckt das die Regierung nicht. Die Indigenen werden vertrieben und der Regenwald brennt. Es gibt Konzepte für eine nachhaltige, intelligente Nutzung des Regenwaldes, aber das Interesse einiger am schnellen Geld ist größer. Bolsonaro ist ein Scheißkerl, ärger noch als Trump, und das will was heißen. In Griechenland sitzen unverändert viel zu dicht und elend Tausende in den Lagern fest, und im Mittelmeer ertrinken sie. Ich verliere den Überblick über die Katastrophen der Welt.

Familiengeld. Freilich, das kommt nicht ungelegen. Wir haben wie gewünscht selbst im Lockdown die Wirtschaft angekurbelt und mehr Geld ausgeben, als  eingenommen. Support your locals. Ich bräucht dies Familiengeld dennoch nicht. Ich meine, klar wird es irgendwie ausgegeben werden, und es wird der Familie zugutekommen. Aber würd es es nicht geben, dann würde es nicht fehlen.

Wieder so ein Gießkannending, damit keiner mault, es haben nur die anderen bekommen. Da, wo´s fehlt, fehlt mit und ohne. Und am Ende muss die Wirtschaft noch mehr brummen und kann man auf noch weniger Rücksicht nehmen, damit die Kohle wieder reinkommt.

Im großen Vergleich wirken solche Finanzbetrachtungen eh ganz anders. Wirecard ist innsolvent, die Aktie im Keller, 2 Mrd. Luftbuchungen. ´Das könne noch Konsequenzen haben für die Szene der Finanzprüfer´, hieß es in den Nachrichten. Das Wort hallte in mir nach. Die Szene der Finanzprüfer. Ich hatte mir nicht vorstellen können, dass es da eine Szene gab. Woran macht die sich fest? Woran erkennt man sich da? Was ist das Bindende, wo ist der Kick? Ich kenne Punks und Grufties, die erkennt man sofort; Rocker und Ökos ebenso. Das sieht man an Kleidung, Accessoires, an der Musik, an der Sprache. Aber Finanzprüfer? Was sind das für welche? Sehen die aus wie der blonde Hüne in Boxershorts mit der brünetten Schönheit im Arm, irgendwo – war´s Singapur? Das war ein MItverantwortlicher bei diesen gigantischen Spekulationsverlusten vor einiger Zeit. ´Die Szene der Finanzprüfer´. Und ich hatte gedacht, das sei ein ganz normaler, bürgerlicher Beruf. Weiß da jemand was? Täte mich interessieren.

In der Familie wird Omas Achtzigster geplant und die Meinungen gehen weit auseinander, wie und ob er überhaupt gefeiert werden soll.  Ich bin dafür. Achtzig. Auf die Zahl ist sie voll stolz. Und sie feiert so gerne Geburtstag.

Wir sind froh, dass das Freibad wieder aufhat.  Das war lange herbeigesehnt; davon ging die Rede schon in Tagen, in denen Corona etwas war, das sich weit weg zutrug. Den ersten Besuch hätten wir auch bei Vollbewölkung und Nieselregen durchgezogen. Die Coronaregeln nehmen wir hin. Aber dann war das Wetter ganz passabel, und es war so wenig los, dass Abstandhalten kein Problem war. Nach ein paar Stunden war die Vertrautheit mit dem Wasser wieder so weit hergestellt, dass der Bub einen Sprung vom Einser wagen konnte. Das Mädel wäre auch gerne, getraute sich aber nicht, stand oben und rang mit sich, und ging wieder runter, und wieder rauf, stand und rang, und wieder runter,… Es war zu hoch, zu wackelig, das Becken zu tief, und ich durfte nicht am Rand mit drin sein. Das Schwimmerbecken nebenan war komplett leer. Es war kaum mehr ein Dutzend Badegäste auf dem Gelände. davon vier Kinder, die zu uns und einem befreundeten Haushalt gehörten. Ich dachte, vielleicht täte sie sich an den Startblöcken bei den Schwimmerbahnen leichter - die wackeln nicht, sind niederer, und ich kann im Becken nebendran sein. Ich rief zur Badeaufsicht, ob ich das ´Gesperrt´- Schild kurz wegnehmen könne. Das Einbahnstrassenschwimmen leuchtet mir ein, und da kann einem dann nicht einer vor die Nase hopsen, ganz klar. Aber es war kein Mensch mehr im Schwimmerbecken und keiner drum herum. Die Badeaufsicht rief ´Nein´ und kam herüber, ich fragte nochmal ´kann man nicht? – es ist keiner mehr da!´, er erklärte, das sei wegen Corona, und ich sagte, ich hätte die Dinger auch ohne Corona kaum je geöffnet gesehen, weder im Freibad noch im Hallenbad, (da waren wir schon ganz ähnlich auf dem Sprungbrett gestanden, hoch, runter, vor und zurück), und jetzt wären sie eventuell hilfreich. Er tue nur seine Arbeit! Klar Mann. War ja nicht als Anmache gemeint; war nur eine Frage, ein Nachhaken und ein Einwand. Muss man da gleich so angesäuert reagieren?  Die Leute sind dünnhäutig in diesen Tagen. Und so grob und wüst wie man auch miteinander auch allerorten umgegangen wird – selbst eine kleine unbedeutende Auseinandersetzung hält kaum jemand noch aus.

(Zur Ehrrettung des hiesigen Freibads sei hinzugefügt, dass wir jetzt noch mehrmals waren, auch bei 1a-Badewetter, als das Bad voll wurde und sämtliche Mitarbeiter mit den vielen Maßnahmen einen schweren Job hatten und das allesamt ganz prima machten, und dass sie es umso schwerer haben, je sorgloser sich die Badegäste benehmen.)

Diese Regel machte in diesem Moment keinen Sinn. Wenn er, der junge Mann von der Badeaufsicht,  da jetzt nachgäbe und das wiederum jemand sähe, dann stünde er in Erklärungsnot, wenn er beim nächsten Anfragen dagegen ´nein´ sage. Sagt er. Das kann ich schon verstehen, aber halt nicht ganz, denn selbstverständlich gehört es zu einer Regel dazu, dass sie unterschiedlich Anwendung findet, wo die Situationen sich unterscheiden, die sie berührt. Meine kleine Tochter geht als die Jüngere häufig früher ins Bett als der Große, der noch etwas aufbleiben darf. Neulich nachts bin ich bei Rot über die Fußgängerampel gegangen, weit und breit war kein Auto und auch das Trottoir war leer. Fast. Kam ein Typ und maulte ´bei Rot müsse man stehen, was gäbe ich denn für ein Beispiel ab´. „Sie sind erwachsen! Brauchen Sie noch immer gute Vorbilder im Straßenverkehr, damit Sie wissen, wann Gehen und wann Stehen?“ Ist doch wahr! Andauernd, im kleinen und im großen Leben, gibt es unterschiedliche Regelhandhabungen für dieselbe Angelegenheit, und das finde ich absolut logisch, ich nenne das Differenzieren. Wo ist das Problem? Es geht nicht ums disziplinierte Einhalten der Regel als oberste Tugend, es geht um deren Sinn.

„Gesunder Menschenverstand“ wird oft angemahnt, ich kann´s bald nicht mehr hören, und die, die ihn am Lautesten  verlangen, haben meist nur eine einzige Auslegung dafür und schieben alle Belange, die anderes nahelegen, konsequent beiseite. Vom gesunden Menschenverstand bleibt dann nur eine ziemliche Beschränktheit. Ich plädiere für ´Augenmaß´, das lässt eigenen Verstand zu, verschiedene Blickwinkel zu und verschiedene Auslegungen in den jeweiligen Situationen.

Ich schätze, das geht allen auch genauso mit diesen Coronaregeln  – mal hält man sich daran, mal nimmt man es entspannt. Ich ziehe öfter den Mundschutz auf als ich muss, aber manchmal halte ich nicht den Abstand. Das Leben kann nicht aus Abstand-halten bestehen. Ich wäge ständig ab. Und ich meine, das ist okay so. Das Thema bleibt präsent und in den Köpfen, aber im Übrigen begrenzen sich die ganz harten Regeln eben auch auf die Gegenden, in denen es zur Sache geht, auf die Hotspots.

Black Lives Matter. Natürlich tun sie das. Jedes Leben zählt. Deswegen geht auch jedes Leid jeden an. Deswegen ist es so wichtig, für alle faire Bedingungen und die Chance auf ein erfolgreiches Streben nach Glück zu schaffen. Und natürlich gibt es Rassismus auch in Deutschland und natürlich ist der in Streitkräften und bei der Polizei weiter verbreitet als im Rest der Bevölkerung. Das weiß man nicht erst seit George Floyd und den weltweiten Demos danach und seit dem Zwölf-Seiten-Brief aus dem KSK in Calw an die Verteidigungsministerin. Das ist seit Langem bekannt. Und natürlich ist das systemimmanent. Das ist so, weil Leute, die ein Faible für Autorität und hierarchische Strukturen haben, oft auch Uniformen und das Tragen von Insignien staatlicher Macht mögen. Macht ist geil, und noch geiler, wenn man sie ausspielen kann, und so ist, wo Macht ist, Machtmissbrauch oft nicht weit. Uniformen geben ein ´Wir´-Gefühl, und ´Recht und Ordnung´ liefert ein paar Feindbilder und so geht ´Wir´ gegen ´die´. Ich stelle mir das so gesehen ganz schlüssig und banal vor.

Man frage mal junge Migranten nach ihren Erfahrungen. Die haben nicht das Knie im Genick und werden nicht in Würgegriff genommen, aber jeder wird Geschichten erzählen können, in denen er sich aufgrund seines Fremd-seins schikaniert fühlte.

Nach der Randale in Stuttgart ist man fassungslos. Überwiegend junge Männer, viele mit Migrationshintergrund, prügeln, plündern und verwüsten die Stadt. „On des bei ons!“  - man reagiert geschockt. Ich verstehe dieses Geschockt-sein nach schweren Verbrechen oder Ausschreitungen nicht. ´SO was bei uns´. Hat da denn wer gedacht, Übel gäbe es stets nur anderswo? „Das war wie Krieg!“ sagten Polizisten. Kann ich mir vorstellen.  War auch die Altersgruppe, die man für gewöhnlich in den Krieg schickt. Anscheinend wähnten sie sich in einem. Kommt auch nicht von ungefähr. Und da jetzt zu viel Testosteron, zu viel Alkohol, Drogen, viel Frust und eine Portion Arschlochmäßigkeit - voilà. Ich will´s nicht relativieren, so geht’s natürlich nicht, aber man muss es auch nicht überbewerten. Ich schätze sehr, das war eine spontane Eskalation, die sich nicht wiederholt. Stattdessen wird nach noch mehr Härte gerufen. Ich weiß nicht, ob´s die richtet. Ich habe da Zweifel.

Deutschland ist jedenfalls nicht Amerika, wo die Unterscheidung nach Hautfarben sich durch alle Lebensbereiche zieht und Cops sich benehmen wie Straßengangster. Wundert eigentlich schon. Aber in Amerika waren von  Beginn an alle Auswanderer, von denen jeder einzelne sein Päckchen mitbrachte. Wem es gut geht und wer daheim glücklich ist, den zieht es nicht weg. Es gehen die, die an irgendwas verzweifeln, vor irgendwas abhauen, im Bleiben keine Chance sehen, sich einen Neuanfang anderswo aber zutrauen. So gesehen gründet Amerika auf Mut und einem Schuß Draufgängertum, aber auch auf viel Gewalt und Verzweiflung. Das ist offenbar geblieben. Die Vorfahren derer, die in USA am stärksten diskriminiert werden, kamen sowieso nicht freiwillig. Sklaverei ist nicht Migration. Heute machen diese Nachfahren  den Großteil der Strafgefangenen aus in dem Land mit den meisten Strafgefangenen der Welt. Und dort arbeiten sie in zum Teil privatisierten Gefängnissen und in diesen angeschlossenen Fabriken. Feudalherrschaft ist nicht viel anders. Natürlich kennt die Geschichte auch hierzulande Sklaverei. Aber der Rassismus hier hat ein anderes Gesicht. Schöner ist das allerdings auch nicht.

Ich würde das Wort ´Rasse´ aus den Wörterbüchern streichen. Ich finde das durchaus keine unnütze Diskussion. Es gibt keine Rassen, nicht bei Menschen, nicht bei Tieren. Im  Übrigen empfinde ich diese Diskussion zwar als wichtig, aber nicht als vorrangig, nicht in dem Maß, dass sie die Frage verdrängt, wie es nach und mit Corona weitergeht,  im Ländle, im Staat, im Staatenbund. Wie und wohin. Dass wir unser Verhältnis zur Umwelt und allem, was darin lebt, ändern müssen, steht eh außer Frage.

Ein neues Kohlekraftwerk ist trotz Kohleausstieg in Betrieb gegangen. Ein großer Wald wird gefällt für eine neue Autobahn. Nach der großen Zäsur kommt jetzt ´weiter so´, weiter so, wie es nie richtig war. Und ich und viele, die ich kenne, fragen sich, wann da mal ein Umdenken kommt, wann sie durchschlägt, die Zäsur.

1500 Infektionen bei Toennies. Die in Quarantäne sollten, sind massenhaft abgehauen. Verständlich, aber scheiße. Bei Toennies ist Mensch und Vieh egal und vieles andere auch. Toennies ist in den Cum-Ex-Betrug verwickelt, war wegen Kartellabsprachen zu einer Millionenstrafe verurteilt und hat sich dieser durch ein Ändern der Betriebsstruktur entzogen, hat ein rassistisch geprägtes Weltbild und interessiert sich außer für Fußball nur für den eigenen Vorteil. Das wusste man auch vorher schon. Jetzt dieser Ausbruch – auch das darf eigentlich keinen wundern - Mensch und Tier unter elenden Bedingungen massenhaft dicht an dicht, das ist wie Ursache und Wirkung in einem.

Einen Fleischpfennig soll es geben und Werkverträge sollen verboten werden. Das wird wohl nicht so einfach sein; das ist schließlich auch EU-rechtlich geregelt. Außerdem frage ich mich, ob das die Lösung allen Übels ist.  Toennies wird andere Schlupflöcher finden, der ist ja nicht gewillt grundlegend was zu ändern im Geschäftsmodell; genauso unterstelle ich dem Fleischpfennig, dass er kaum dem Fleisch-gebenden Wesen zugutekommen wird.   

Es braucht nicht neue Regeln. Es braucht eine neue Haltung. Ausbeutung geht nicht, nicht von Menschen, nicht von Tieren, nicht von der Natur. Die Erde ist keine Beute. Jeder Sau ein Recht auf Tageslicht, jedem Rindvieh seine Würde.  Und allem einen fairen Preis. Mindestlohn für alle, egal woher jemand kommt, auch Arbeitsschutzgesetzte gelten für alle gleich, und für die Frage, wie viel Quadratmeter jemandem zustehen, gibt es ebenfalls gesetzliche Vorgaben. Das muss man nur  durchsetzen wollen. Unser Problem heißt nicht so sehr Rassismus, unser Problem heißt Feigheit. Die Freizügigkeit im Regelauslegen wird ja durchaus auch im großen Stil praktiziert, und zwar so, dass ganze Regelwerke karikiert werden. Mietwucher ist verboten. Tierquälerei auch. Weshalb also geschah in der Vergangenheit nichts? In einem Betrieb haftet der Chef,  für Verfehlungen von Subunternehmen haftet deren Auftraggeber. Der nordrheinwestfälische Ministerpräsident hat den Behörden in Gütersloh gedankt für ihren großartigen Einsatz. Ich möchte wissen wofür.

Ich habe einen Artikel gelesen in der ´Zeit´ über Stadtplanung nach Corona.

https://www.zeit.de/2020-06/zukunft-stadt-verkehr-bueros-laeden-veraenderungen-coronavirus

Wo kein Laden mehr reinwill, kann wer wohnen. Das belebt die Innenstädte genauso und nachhaltig und krisensicherer.  Außerdem machen im Umfeld neuer Bewohner neue Läden auf. (Ich wäre sehr für einen Kinder-Second-Hand-Laden. Uns fehlen die Flohmärkte.) Das gäbe nicht wenig neuen Wohnraum, was den Flächenverbrauch drum herum verringert. In Berlin werden Straßen gesperrt und temporär zu Spielstrassen. Dann kommt  der Kiezbeauftragte und öffnet die Hydranten oder schließt den Schlauch am  Brunnen an.  Man stelle sich vor. Wasserrutschen in der oberen Hauptstrasse. Und im Winter, sollte es mal halbwegs gehen, schlittenfahren vom Schwarzen Tor bis runter in die Au. Das wäre ein Spaß! Und cool obendrein. Dann noch Bäume in der Stadt gepflanzt und begrünt, was zu begrünen geht - wer sehnte sich da noch nach dem Einfamilienhaus am Stadtrand.

 „Zäsur!“. Das Jahr begann mit diesem Wort. Ich warte noch immer darauf, dass man sie angeht.


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