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„Ich hab schon daran gedacht, aufzugeben.“

Wie Rottweiler Unternehmer mit dem Lockdown umgehen
copyright Danas Massagestudio
Dana Milosevic betreibt ein kleines Massagesalon in der Blumengasse. Auch sie schildert ihre Lage.

Über ein Jahr Lockdown - das nagt an den Nerven. Wann die "Normalität" zurückkehrt, steht in den Sternen. Moni Marcel war für Rottweil inside vor Ort und hat die besondere Stimmungslage verschiedener Rottweiler Unternehmen eingefangen. 

„Ich hab schon daran gedacht, aufzugeben.“ Das sagt Claudia Maiberg, die im Mai eigentlich den 25. Geburtstag ihres Friseursalons in der Hochbrücktorstraße feiern wollte. Der Termin beim Steuerberater stand schon, doch dann meldete sich ein junger Friseurgeselle, der bei ihr mal ein Praktikum gemacht hatte und der jetzt für sie arbeiten wollte, „das war wie ein Zeichen, dass ich meinen Job nicht an den Nagel hängen darf.“ Mit Leib und Seele ist sie Friseurin, und dann waren da ständig neue Regelungen, die Testpflicht, offene Fragen zum Datenschutz – „ich will doch nur Haare schneiden!“ Durch das Gewühl der sich dauernd ändernden Vorschriften half weder die Handwerksammer noch die Berufsgenossenschaft, „die schicken nur ihre Rechnungen“, aber eine Unternehmer-Gruppe von Friseuren. Die Testdokumentation im Salon umzusetzen war eine echte Herausforderung, „ein Höllenwochenende, bis wir wussten, wie wir das machen müssen“, wie Claudia Maiberg erzählt. Und dann kamen keine Kunden mehr, „ich hatte gerade mal acht Anrufe in der Woche. Keiner wollte mehr einen Termin, die Kunden waren total verunsichert.“ Aber sie betont auch, dass viele Kunden ihr die Treue halten, „viele sagen, sie möchten mich unterstützen.“ Trotzdem gab es einen massiven Umsatzeinbruch. Um über die Runden zu kommen, hat Claudia Maiberg einen Kredit aufgenommen, staatliche Unterstützung in diesem zweiten Lockdown würde bedeuten, dass sie ihr Einkommen bis Juni jetzt schätzen müsste. „Da will ich lieber warten, sonst muss ich womöglich was zurückzahlen. Es ändert sich ja auch ständig was.“
 
Gabriele Glatz hatte gerade ihren kleinen Laden „Himmelweit“ in der Bruderschaftsgasse eröffnet, dann kam der Lockdown. „Das war schon crazy“, erzählt sie, „ich war echt frustriert.“ Doch unterkriegen lässt sie sich nicht, auch nicht von den Plänen der Stadtverwaltung, an der Schramberger Straße einen neuen Discounter zuzulassen. „Die Großen gibt´s. Die wird´s immer geben. Ich setze darauf, dass die Leute merken – und es merken schon einige – dass die Großen nicht alles können.“ Die Kleinen, sagt Gabriele Glatz, die können individuellen Service bieten, Ansprache, Freundlichkeit. „Jeder Mensch will gesehen werden. Und bei den Großen wird man nicht gesehen.“ Jammern und meckern, das bringt nur schlechte Vibrations, findet Gabriele Glatz. Sie lässt sich ihren Schneid nicht abkaufen und ist davon überzeugt, dass die kleinen Geschäfte in der Innenstadt eine Zukunft haben. „da wird ein Umdenken stattfinden.“
 
Dana Milosevic stehen die Tränen in den Augen, wenn sie an die Arbeit in ihrem kleinen Massagesalon in der Blumengasse denkt. Die sie derzeit nicht machen darf, obwohl ihre Kunden ihr so am Herzen liegen und gerade jetzt, in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling, sie umso nötiger hätten. „Das geht doch auf die Seele und die Muskeln!“ Hygiene, das ist für sie kein Problem, die Fenster stehen immer offen, wenn sie massiert, alles ist piccobello sauber, sie trägt eine Maske und zwischen den Terminen ist immer eine halbe Stunde Pause, damit alles wieder gereinigt werden kann – und sich die Kunden nicht begegnen.
Dana Milosevic zeigt ihre zahlreichen Zertifikate und Auszeichnungen, es gibt kaum eine Fortbildung oder Schulung, die sie nicht gemacht hat. „Nur Physiotherapeutin bin ich nicht, sonst dürfte ich jetzt arbeiten!“ Eine Ungerechtigkeit, aber auch sie will nicht aufgeben. Ihr Salon, das ist ihr Ein und Alles. Dafür geht sie jetzt bei einem Bäcker arbeiten und steht samstags auf dem Markt, um Gemüse zu verkaufen. Sie liebt ihre Arbeit, und sie würde jeden Job annehmen, nur, damit ihr Salon weiterlebt. „Ich bekomme jeden Tag zehn, zwanzig Nachrichten von meinen Kunden, wann ich wieder aufmache!“ All ihr Erspartes hat sie in ihren Salon gesteckt, und als sie im März vorübergehend wieder aufmachen konnte, rannten ihr die Kunden beinahe die Türe ein. Und dann musste sie kurz darauf wieder schließen. „Das war nicht lustig. Wir brauchen da endlich eine klare Linie!“ Aber Dana lebt für ihren Salon, „ich werde dafür kämpfen bis zum letzten Atemzug!“
 
Ein Hin und Her erlebte auch Sabina Kratt von der Buchhandlung Klein. Zunächst der Lockdown von Mitte Dezember bis Anfang März. „In der Zeit haben wir unsre Sofa Tour regelmäßig veranstaltet und weiter entwickelt.“ Dann wurde der Buchhandel zur Grundversorgung eingestuft und durfte öffnen. „Das war allerdings nur von kurzer Dauer.“ Zumachen, click&meet, dann click&collect, seit 24. April wieder als Grundversorger eingestuft und damit wieder offen. „Jetzt kämpfen wir mit der Schwierigkeit, dass der übrige Einzelhandel noch zu hat.“ Aber Sabina Kratt hat auch Erfreuliches zu erzählen: „Wir haben uns im Lockdown um das Zertifikat als Kinder- und Jugendbuchhandlung beworben und jetzt die Auszeichnung auch bekommen“, freut sie sich.

Und Thomas Haßler, der für seine außergewöhnlichen Stadtführungen bekannt ist, sagt: „Wir sollten Einzelhandel, Gewerbetreibende, Gastronomie, Tourismus und Kunst und Kultur als gleichberechtigte, gleichwertige Teile eines ‚Gesamterlebnisses Rottweil‘ betrachten. Gemütlich bummeln, Alltägliches erledigen, einen Kaffee trinken und Kunst und Kultur in einer prachtvollen Stadt genießen. All das sollten wir im Zusammenhang sehen und stärker ausbauen.“ Er selbst sieht sich mit seinen SIDE-seeing-Touren durch Rottweiler Geschichte und Geschichten als Tour-Guide, als Gäste-Betreuer und vor allem als Unterhalter. „History-Entertainment wenn Sie so wollen. Und ich sehe mich ganz klar als Teil des oben genannten Netzwerks.“ Seite Oktober vergangenen Jahres dürfen leider keine Stadtführungen mehr stattfinden. „Diese Zeit habe ich kreativ genutzt und neue Formate konzipiert. Sobald Führungen wieder möglich sind, werden zwei neue unterhaltsame Führungsformate an den Start gehen.“

Lesen Sie auch:
Was sich die Einzelhändler von der Stadt wünschen - Umfrage bei den Rottweiler Geschäftstreibenden

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