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"Wir geben den Weißwald nicht frei, Herr Frei!"

150 Leute bei Protest-Spaziergang gegen Truppenübungsplatz bei Tannheim
copyright Frank Chudoba
Mitinitiator Dr. Helmut Lohrer über die Planungen eines Standortübungsplatzes im Weißwald bei Tannheim

Der Widerstand gegen den Truppenübungsplatz im Weißwald bei Tannheim wächst. Am Freitag kamen etwa 150 Leute zu einem Protest-Waldspaziergang, und dies, obwohl er gar nicht öffentlich angekündigt war, sondern nur per Handzettel und Mund-zu-Mund-Propaganda beworben wurde. Eingeladen hatte das Friedensbündnis VS, wobei Dr. Helmut Lohrer klar stellte: Man sehe sich nur als Katalysator, um den vor sich hinschwelenden Protest zu bündeln.

Zunächst ging es ein Stück durch Wald, der dem Fürst von Fürstenberg gehört, der hatte die Protestaktion untersagt, also konnte es erst im Staatswald richtig losgehen, "Sie sehen, der Feudalismus in Deutschland ist noch nicht wirklich Geschichte", so Lohrer. Der auch klarstellte: Die Ortschaften, die von dem geplanten Truppenübungsplatz betroffen sind, werden zwar angehört für die Machbarkeitsstudie, ein Mitspracherecht haben sie nicht.

Geplant ist hier im Weißwald ein Übungsgelände, auf dem an 150 Tagen und in 50 Nächten auch mit Panzerfäusten, Kettenpanzern und Drohnen trainiert wird. Die Bundeswehr sage zwar, man verwende nur Übungsmunition, doch das werde man dennoch kilometerweit hören. "Damit sei der Weißwald als Naherholungsgebiet verloren", so Ekkehard Hausen vom Friedensbündnis. Alternative Standorte seien gar nicht geprüft worden, der Weißwald von langer Hand geplant gewesen, eine klare politische Entscheidung. Der Strippenzieher ist für die Veranstalter klar einer, nämlich MdB Thorsten Frei von der CDU. "Vor Kanzler hört der nicht auf", so Lohrer, und da müsse man auch mal Unangenehmes durchsetzen können. "Wer Frei wählt, wählt den Truppenübungsplatz. Gehen Sie hin, stellen Sie ihn!" Tannheims Ortsvorsteherin Anja Keller stellte klar: "Wir sind nicht gegen die Bundeswehr!" Aber den Übungsplatz könne man hier nicht akzeptieren, da seien sich die umliegenden Gemeinden einig. Die Bedenken habe man auch Generalinspekteur Zorn mitgegeben. "Ich habe die Hoffnung nocht nicht aufgegeben, dass wir das Vorhaben abwenden können."

Je größer der Protest, umso besser, das meinte Klinik-Geschäftsführer Thomas Müller. Immerhin habe Eberhard Zorn bei seinem Besuch in der Klinik gemeint, iihm könne keiner weismachen, dass man in der Klinik nichts davon höre. Er betonte, dass das Jägerbataillon 2015 den Antrag für den Übungsplatz gestellt hatte, kurz zuvor sei der in Immendingen an Daimler verkauft worden. "Die Familien bei uns kämpfen um das Leben ihrer Kinder, oder sie haben ihr Kind verloren. Und dann sollen sie sich mit Verteidigungslärm auseinandersetzen!" Und er rechnete: 2015 sei der Antrag gestellt worden, 2028 soll der Platz hier fertig werden, mit den gewohnten Verzögerungen bei der Bundeswehr wahrscheinlich erst 2030. "Wie notwendig ist er dann, wenn er 17 Jahre lang nicht gebraucht wird?"

Vor dem Vorschlag der Politik, das Projekt zu verkleinern, warnte Helmut Lohrer. "Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden. Wenn der Platz erstmal da ist, kommt er nicht mehr weg!"

Jens Löw war lange Förster im Weißwald, und auch er kritisierte Thorsten Frei: "Er macht jetzt die Runde und sagt, er habe von den Plänen nichts gewusst." Doch das stimme nicht, schon in seiner Zeit als Donaueschinger Bürgermeister seien die Wege geebnet worden. "Das Militär ist ein wirtschaftlicher Faktor", und er erwarte durch die Soldaten große Schäden im Weißwald. Seine Erfahrung: Nach einer Militärübung "sieht es aus wie umgepflügt", die Sensibilität für die Natur sei bei der Bundeswehr sehr gering. Helmut Gerlach aus Überauchen wies darauf hin, dass durch den Standortübungsplatz nicht nur die Lebensqualität in den umliegenden Orten leide, sondern auch der Wert der Immobilien.

Auch der Sinn des Standorts wurde hinterfragt, der Übungsplatz in Stetten am kalten Markt ist 78 Kilometer weg, da übe ja das Jägerbataillon schon. Die Bundeswehr habe nur im 30 Kilometer-Umkreis gesucht, möglicherweise wegen der günstigen Besitzverhältnisse. Ein Teil des Walds gehört dem Land, der andere dem Fürsten, da drohten keine aufwändigen Enteignungen.

Dem Landratsamt dankte Helmut Lohrer für die sehr kooperative Zusammenarbeit, die Auflagen für die Veranstaltung seien ihnen auf 40 Seiten zugesandt worden. "Ich würde mir wünschen, dass die Bundeswehr diese Auflagen einhalten muss!"

Kritik an der grünen Landtagsabgeordneten Martina Braun übte Josef Vogt aus Klengen. Sie dürfe zum Verkauf des Übungsplatzes in Immendingen an Daimler nichts sagen. Dem widersprach Joachim von Mirbach von den Grünen: Seine Fraktion im Kreistag, und damit auch Martina Braun, habe beantragt, die Planungen für den Platz sofort zu stoppen. Das sei mit der Mehrheit der anderen Parteien abgelehnt worden, CDU, FWV und FDP wollten das Vorhaben erst prüfen.
Nun hoffe man auf wachsenden Protest, so Helmut Lohrer, "wir geben den Weißwald nicht frei, Herr Frei!" 

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