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Aufbruchsstimmung bei den Grünen im Kreis

Neuen Vorstand gewählt: Hubert Nowack hört auf, Sonja Rajsp ist wieder dabei
copyright Moni Marcel
Katrin Edinger, Peter Bruker, Alexander Rustler, Felix Moosmann, Astrid Böhm und Sonja Rajsp.

Bei den Grünen im Kreis Rottweil herrscht Aufbruchsstimmung. So ist die Mitgliederzahl auf 95 gewachsen und es gibt jetzt eine grüne Jugend. In der Stallhalle traf man sich, die drei Gs – getestet, geimpft oder genesen – vorausgesetzt.

Als Gast war Landtagsabgeordnete Martina Braun dabei, die von den nicht einfachen Koalitionsverhandlungen erzählte. In den 162 Seiten des Vertrags stecke ganz viel Grün, im Mittelpunkt stehe das Klima. Die Folgen seien ja längst auch hierzulande zu spüren, mit Gewittern und Hochwasser in den letzten Tagen. „Wer den Klimawandel jetzt noch leugnet, hat diese Welt nicht verstanden“, so die Landwirtin und Politikerin. Deshalb ziehe sich das Thema auch wie ein roter Faden durch den Vertrag, die Grünen setzten sich hier massiv gegen die CDU durch. Auch in anderen Punkten: Der Koalitionspartner habe unter anderem auf die Freisetzung von Gentechnik zu Forschungszwecken bestanden, doch erfolglos: „Gentechnik ist nicht rückholbar!“ Martina Braun betonte aber auch, dass die sozialen Folgen von Corona stark im Mittelpunkt stehen. „Die SPD kann diese Fragen nicht mehr beantworten!“ Sie vertraue in Sachen Klimawandel auch auf die hiesige Wirtschaft, so Braun, „wir sind schon immer ein Land der Tüftler gewesen, da habe ich große Hoffnung auf ganz viele Ideen.“
 
Und erläuterte dann den Finanzierungsvorbehalt bei vielen Maßnahmen der Koalition, das sei nachhaltige Finanzpolitik, „man kann nicht mehr ausgeben als da ist.“ Nun sprudelten dank Corona die Steuern nicht mehr so wie in den letzten Jahren, wo Schulden getilgt und Rücklagen gebildet wurden. Die durch die Pandemie entstandenen 13,5 Milliarden an Schulden müssten ab 2024 wieder abgezahlt werden, und die Mai-Steuerschätzung sei besser als erwartet – auch hier also Zuversicht.
 
Martina Braun erzählte dann von einem ihrer größten Erfolge: Sie hatte mit dafür gesorgt, dass die Initiatoren des Bienen-Volksbegehrens sich mit den Grünen an den Tisch setzten und man nun das neue Biodiversitätsstärkungsgesetz habe, das allen mehr nütze als die Forderung der beiden Imker und ihrer Unterzeichner. Eine ähnliche Einigung strebt die tatkräftige Landwirtin jetzt mit dem Lebensmittelhandel an. „Es kann nicht sein, dass ein Kalb weniger wert ist als ein Kanarienvogel“, mit diesem Satz von ihr überzeugte Ministerpräsident Kretschmann bei einer Rede eine  Versammlung von Landwirten. Denn wenn die Bauern 50 Cent für den Liter Milch bekommen, der Kunde dafür im Laden aber 1,50 zahlt, dann sei es dringend nötig, dass dazwischen jemand kürzer trete.
 
Kreisvorsitzender Hubert Nowack gab dann einen Rückblick auf die letzten Monate: Virtuelle Vorstandssitzungen und Frauenstammtische, ein digitaler Neujahrsempfang mit Sozialminister Manne Lucha, die Gründung der Grünen Jugend. Und die Landtagswahl – ein lachendes und ein weinendes Auge für die Grünen: einerseits der tolle Erfolg der Partei, andererseits die so knappe Niederlage von Sonja Rajsp. Nun unterstütze man mit allen Kräften Annette Reif als Bundestagskandidatin. Noch wartet das von ihm ausgelobte Fässchen Bier auf das 100. Mitglied, aber viel fehlt nicht mehr. Nowack selbst trat dann zurück, mit ihm geben Turid Pfautsch, Maria Sinner und Winfried Praglowski ihr Vorstandsamt ab. Alexander Rustler überreichte dem einstigen Bundestagskandidaten Nowack als Dank ein Kunstwerk von Reinhold Ulmschneider, das die Zunftlaternen im Rottweiler Münster zeigt.
 
Im Anschluss bestätigte die Versammlung einstimmig Alexander Rustler als Kassier und Astrid Böhm als Vorstandsmitglied. Neu im Vorstand sind Katrin Edinger, Personalreferentin und 37 Jahre alt, Felix Moosmann, Bauingenieur und 27-Jährig, Peter Bruker, den 63-jährigen pensionierten Journalisten und Sonja Rajsp, 47 Jahre alt, Diplom-Betriebswirtin und die Kandidatin der letzten Landtagswahl, die sich nach drei Jahren Pause wieder für das Amt aufstellen ließ.

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