
In einer gesetzlichen Lieferkettenregelung in der Automobilbranche liegen Chancen für Unternehmen, beim Verbraucher Vertrauen und Transparenz herzustellen. Dies gehörte zu den Hauptaussagen einer spannenden Talkrunde, welche Annette Reif als Bundestagskandidatin im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen unter der aktuellen Thematik „Energie und Verkehrswende: Herausforderung in globalen Lieferketten“ organisiert hatte. Mehr als 40 interessierte TeilnehmerInnen waren online dabei und beteiligten sich nach den Fachbeiträgen an einer regen Diskussion.
Annette Reif freute sich als Organisatorin über die große Talkrunde. Als Mitarbeiterin in einer Schlüsselposition bei einem weltweit agierenden, großen Automobilzulieferer, steht sie dem Thema Energie und Verkehrswende tagtäglich gegenüber. Annette Reif erinnerte an Pioniere wie Tesla, die früh die Zeichen erkannt haben, CO2 zu reduzieren. Leider wurde und wird in Deutschland fast immer der Wegfall von Arbeitsplätzen propagiert. Annette Reif sieht für die Branche der deutschen Automobilhersteller und -Zulieferer die Energie und Verkehrswende allerdings riesige Chancen, die die Unternehmen nicht verpassen und für sich nutzen sollten.
Ein weiterer Talkrundengast war Dr. Klaus Steinmüller, Geologe und Wirtschaftswissenschaftler aus Karlsruhe am KIT (Institut für Technologie) und dort im speziellen im Sektor der mineralischen Rohstoffe seit mehr als 30 Jahren international tätig. Er nahm die Gäste mit auf eine Reise rund um den Globus. Aus teils exotischen Ländern werden auch in Zukunft unsere Rohstoffe kommen, um die Techniken für eine ökologische Mobilität herstellen zu können. Ziel ist es den Import dieser Rohstoffe aus gut geregeltem Bergbau zu beziehen. Dies bedeutet für ihn, dass der Abbau nach nationalen Gesetzen und nationalem Umweltschutz geschieht, die Menschrechte beachtet werden und Sicherheitsstandards eingehalten werden. Die Lieferketten des industriellen Bergbaus sollten nachvollziehbar und transparent sein.
Steinmüllers Hinweise auf Kleinbergbau, den sogenannten Konfliktbergbau, der oft schlecht bis gar nicht geregelt, illegal und unter Missachtung von Menschenrechten und Umweltschutz erfolgt, machte alle betroffen. Der fehlende gesetzliche Rahmen wurde sehr deutlich.
Auch Jürgen Kretz, Bundestagskandidat der Grünen im Wahlkreis Rhein-Neckar, und selbst einige Jahre in der Entwicklungsarbeit im Kongo und in Bangladesch tätig, wies auf die Missstände im Bergbau hin (Kinderarbeit, Zwangsarbeit, erhebliche Umweltschäden). Bisher gibt es nur wenige freiwillige Standards, die die Unternehmen umsetzen. UN-Standards und OECD-Standards sind aktuell nicht verpflichtend. Kretz rief dazu auf „Lasst uns Verantwortung für die Lieferketten übernehmen“.
Er schlägt einen 6-Punkte Plan zur Sorgfaltspflicht der Unternehmen vor. Hierzu gehören eine Strategie der Nachhaltigkeit als Unternehmens-Leitbild, Risiken in den Lieferketten zu identifizieren, konkrete Abhilfe schaffen durch Änderungen in den Lieferketten, eine ständige und wirksame Überwachung, transparente und öffentliche Nachweise und schlussendlich auch einen funktionierenden Beschwerdemechanismus einzurichten
Für Reif und die DiskussionsteilnehmerInnen stand am Ende des gelungenen Abends fest: Unsere Zukunft wird Hightech Produkte hervorbringen, für die wir auf den Import von Rohstoffen nicht verzichten können. Das Lieferkettengesetzt muss schnellstmöglich verabschiedet werden. Es gilt, den Wandel als Chance zu sehen, diesen verantwortungsvoll zu gestalten und die notwendige Entwicklung nicht zu verschlafen.