Oberbürgermeisterwahl Rottweil 2022

Historische Innenstadt nicht verkommen lassen

Historische Innenstadt nicht verkommen lassen
Foto copyright Kai Jehle-Mungenast

„Die historische Innenstadt Rottweils ist wie ein altes Ölgemälde. Man steht vom Erscheinungsbild fasziniert davor und staunt“, schwärmt Oberbürgermeister-Kandidat Kai Jehle-Mungenast, während er am Marktbrunnen steht und sich umschaut. „Doch wenn man etwas näher an das Ensemble heran geht, dann erkennt man etliche Gebäude, die einen massiven Investitionsstau haben. Ein wenig wie ein Ölgemälde, das nicht frisch restauriert in einer Galerie hängt, sondern in einer Kammer abgestellt wurde und so Beschädigungen erleidet.“

Kai Jehle-Mungenast hat sich mehrere ortsbildprägende Gebäude der Innenstadt angeschaut, die aktuell leer stehen und einen Sanierungsstau vorweisen. „Der Leerstand in der Innenstadt ist beängstigend. Dabei sind die leeren Ladenflächen besonders sichtbar. Aber wer nach oben schaut, der sieht, wie viele oberen Stockwerke und damit erheblicher Wohnraum leer steht.“

Deshalb hat der OB-Kandidat hinter die Kulissen geschaut. Gemeinsam mit Architekt Dominik Burkard vom Planungsbüro für Baukunst und Hermann Breucha, der sich schon lange für die historischen Gebäude einsetzt, besichtigte er die Sanierungsmaßnahmen im Gebäude der Unteren Apotheke an der Hochbrücktorstraße und im Gebäude Hauptstraße 11. Beide Objekte werden von Burkard betreut. Die bestehenden Wohnräume über der Apotheke werden zeitgemäß saniert und erhalten zum Innenhof hin einen Balkon. Durch den denkmalgerechten Ausbau des Dachbodens schafft der Eigentümer sogar neuen attraktiven Wohnraum in der Innenstadt.

Besonders beeindruckend sind die Sanierungsmaßnahmen des Gebäudes Hauptstraße 11. Dieses war im Urzustand durch die Deckenhöhe und den Zustand der Räume nicht mehr bewohnbar. Hier hat der Eigentümer massiv investiert, so dass nach Abschluss der Maßnahme eine kleine Ladenfläche und drei Wohnungen geschaffen sein werden. Die Sanierung dieses Gebäudes stellte den Architekten vor besonderen Herausforderungen in Sachen Denkmalschutz, da im Gebäude beispielsweise alterstümliche Decken- und Wandgemälde gefunden wurden, die erhalten werden.

Bei den Besichtigungen wurden deutlich, dass Eigentümer nur mit einem erheblichen finanziellen Invest und einer fast schon detailversessenen Planungsleistung ihre Gebäude erhalten und sanieren können. Dabei werden mache Vorgaben der Behörden und des Denkmalschutzes bei allem Wohlwollen der Bauherren als schier nicht erfüllbar beschrieben. „Wenn ich die Wahl habe, zwischen einem Gebäude, das verfällt, weil die behördlichen Vorgaben und die Erwartungen des Denkmalschutzes nicht zu 100 Prozent erfüllt werden können; und einem Gebäude, das wunderbar saniert wurde, aber nur 95 Prozent der Vorgaben erfüllt sind, entscheide ich mich für das sanierte Haus. Vor allem dann, wenn dadurch sogar noch neuer Wohnraum geschaffen und damit unsere Rottweiler Innenstadt belebt wird“, resümiert Jehle-Mungenast nach den Gesprächen.

„Ich sehe die Stadtverwaltung als Servicepartnerin der Sanierungswilligen und nicht als Bedenkenträgerin. Wir dürfen nicht nur nennen was nicht geht und welche Vorgaben zu erfüllen sind. Sondern die Stadt muss konkret Wege aufzeigen, wie es doch gehen kann“, formuliert der OB-Kandidat seine zukünftige Erwartung an das Rathaus-Team und ergänzt um einen weiteren konkreten Vorschlag. „Die Sanierungswilligen in der Innenstadt scheinen meist vor den gleichen Herausforderungen zu stehen. Hier können wir in einem Art ‚Rottweiler Sanierungsmodell‘ mit standardisierten Prozessen und formulierten Leitlinien helfen.“