Fasnet

Schlüsselübergabe virtuell: Schultes freut sich auf sein Sofa

"It Rossbolla mit Hageflade vergleicha"

Schlüsselübergabe digital
Deisslingens Bürgermeister Ralf Ulbrich und Narrenmeister Rainer Schmeh bei der Schlüsselübergabe: "Du kasch doch it Rossbolla mit Hageflade vergleicha!"Foto copyright Rottweil inside

Die Fasnet ist dieses Jahr anders. Auch die traditionelle Deisslinger Rathausschlüsselübergabe samt Machtübernahme der Narren fand in diesem Jahr im klitzekleinen Rahmen statt: Schultes Ralf Ulbrich und Narrenmeister Rainer Schmeh klärten dies beim Bier im Besprechungsraum des Rathauses. Zuschauen konnte man dennoch und kann es immer noch: Im digitalen närrischen Adventskalender auf www.nz-deisslingen.de und auf der Facebookseite der Narrenzunft.

Und weil sich Ulbrich drüber freute, die Sache endlich mal schnell abhaken zu können und statt "dr dumme Kaschper" zu sein, der vom Zunftmeister wüst beschimpft wird, sich auf einen ruhigen Fasnetssamstag zuhause auf dem Sofa freute, war das auch recht schnell erledigt. Die Beschimpfungen blieben dennoch nicht aus: Schmeh rechnete vor, dass für die paar Meter Straßerichten in der Ortsmitte 210 Tage nötig waren. Hätten die gleichen Bauarbeiter die Autobahn nach Stuttgart gebaut, hätte das genau 1165 Jahre gedauert - Schmeh hatte dafür eigens einen Taschenrechner mitgebracht.

 "Du kasch doch it Rossbolla mit Hageflade vergleicha!", so der Konter vom Schultes - man bewarf sich also dennoch kräftig. Aber nun, wir wollen ja nicht spoilern, nur so viel: Auch der Narrenbaum 2020 und eine Flasche Desinfektionsmittel spielen eine Rolle bei der coronakonformen Schlüsselübergabe.

Übrigens gibt es die schon seit 66 Jahren, wie in der  Chronik der Deißlinger Fasnet nachzulesen ist. Die Zunftoberen, damals noch der Elferrat, marschierten am 22. Februar 1955 vom Gasthaus Blume aus in  Richtung Rathaus, wo die Truppe von Zunftmeister Wilhelm Kunz auf den damaligen Bürgermeister Edwin Reuter, den Musikverein und viele Zuschauer traf. Auch damals schon bekam der Schultes sein Fett weg, Kunz drohte gar mit alkoholhaltigen Atombomben, die Reuter jedoch nicht fürchtete. Dennoch legte er die Geschicke des Orts und damit den Rathausschlüssel in die Hände der "hochwohlgeborenen Zünfte".

Der Fasnetskalender hat übrigens noch mehr zu bieten: Diakon Elmar Schmeh ist mit seiner Narrenmesse online gegangen, am Montag gibt es ab 18 Uhr digitales Narrentreiben, am Dienstag ab 14 Uhr den Umzug im Netz und am Aschermittwoch öffnet sich um 9 Uhr das letzte Türle. Außerdem kann man Zunftmeister Rainer Schmeh am Fasnetsdienstag im SWR-Radio erleben.