
Wir haben beim Projekt Stuttgart 21 schon vieles erlebt. Die aktuellen Berichte über eine mögliche weitere Verschiebung der Inbetriebnahme bis Ende 2031 sind dennoch ein Donnerschlag. Vor allem für die vielen Menschen entlang der Gäubahn, die seit Jahren unter Baustellen, Sperrungen, Verspätungen und immer neuen Unsicherheiten leiden.
Für uns als Oberbürgermeister entlang der Gäubahn stellt sich jetzt eine zentrale Frage: Wie geht es konkret mit der Gäubahn weiter?
Wir fordern die Deutsche Bahn und die Projektpartner auf, beim kommenden Lenkungskreis Stuttgart 21 nicht nur allgemein über neue Zeitpläne für den Tiefbahnhof zu informieren, sondern konkret und verbindlich darzulegen, wie die Gäubahn bis zur tatsächlichen Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs und bis zur späteren Anbindung über den Pfaffensteigtunnel geführt werden soll.
Für uns gilt klar: Die Gäubahn muss mindestens bis zur tatsächlichen Eröffnung des Tiefbahnhofs Stuttgart 21 direkt an den Stuttgarter Kopfbahnhof angebunden bleiben. Eine vorzeitige Kappung der bestehenden Direktverbindung ist den Fahrgästen nicht zuzumuten. Keine Kappung ohne Alternative!
Die Bahnkundinnen und Bahnkunden entlang der Gäubahn sind bereits genug gebeutelt. Pendlerinnen und Pendler, Schülerinnen und Schüler, Studierende, Geschäftsreisende und viele weitere Fahrgäste brauchen Verlässlichkeit. Ein zusätzlicher Umstieg in Stuttgart-Vaihingen würde die Situation weiter verschärfen und das Vertrauen in den Bahnverkehr weiter beschädigen.
Die Oberbürgermeister entlang der Gäubahn erklären gemeinsam: „Solange der Tiefbahnhof Stuttgart 21 nicht tatsächlich in Betrieb ist, muss der direkte und umsteigefreie Anschluss der Gäubahn an den Stuttgarter Kopfbahnhof erhalten bleiben. Wer Bahnfahren attraktiver machen will, darf funktionierende Verbindungen nicht vorzeitig kappen. Für uns gilt: Erst eine belastbare und verlässliche Alternative, dann eine Veränderung der bestehenden Anbindung. Nicht umgekehrt!“
Auch der Koalitionsvertrag der Landesregierung ist hier eindeutig: Bis zur Realisierung des Pfaffensteigtunnels muss eine attraktive Anbindung der Landeshauptstadt durch die Gäubahn sichergestellt werden. Eine Unterbrechung der Direktanbindung Singen/Zürich vor Inbetriebnahme von Stuttgart 21 darf es nicht geben. Wir sehen deshalb die Landesregierung und die neue Verkehrsministerin Nicole Razavi als Projektpartner in der Verantwortung, diese Zusage gemeinsam mit der Deutschen Bahn umzusetzen. Die Menschen entlang der Gäubahn brauchen keine weiteren Vertröstungen, sondern einen verbindlichen, nachvollziehbaren und abgestimmten Zeitplan.
Sollten sich die aktuellen Medienberichte bestätigen, würde nicht nur Stuttgart 21 erneut deutlich später fertig, sondern auch die künftige Gäubahn-Anbindung über den Pfaffensteigtunnel weiter in die Zukunft rücken. Umso wichtiger ist es, die bestehende Verbindung über die Panoramabahn so lange wie möglich funktionsfähig zu erhalten.
Wir erwarten von der Deutschen Bahn und den Projektpartnern, dass alle notwendigen baulichen, betrieblichen und organisatorischen Maßnahmen geprüft und umgesetzt werden, um die direkte Anbindung der Gäubahn an den Kopfbahnhof während der Übergangszeit zu sichern. Das gilt insbesondere im Zusammenhang mit den geplanten S-Bahn-Maßnahmen und dem Erhalt der Panoramabahn.
Am Ende muss ein verbindlicher Zeitplan für die Gäubahn-Anbindung stehen, abgestimmt mit den zuständigen Infrastrukturpartnern und koordiniert mit den Planungen zur Panoramabahn.
Für die Menschen in unserer Region muss gelten: Verlässlichkeit vor Baustellenlogik. Solange keine funktionierende Alternative besteht, darf eine funktionierende Verbindung nicht gekappt werden. Keine Kappung ohne Alternative!
Dr. Stefan Belz
Oberbürgermeister Böblingen
Nico Reith
Oberbürgermeister Herrenberg
Michael Keßler
Oberbürgermeister Horb am Neckar
Ulrich Burchardt
Oberbürgermeister Konstanz
Stephan Neher
Oberbürgermeister Rottenburg
Dr. Christian Ruf
Oberbürgermeister Rottweil
Markus Kleemann
Oberbürgermeister Sindelfingen
Bernd Häusler
Oberbürgermeister Singen
Michael Beck
Oberbürgermeister Tuttlingen
Jürgen Roth
Oberbürgermeister Villingen-Schwenningen