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Pralinen aus 55 Jahre altem Zwetschgenwasser und ebenso altem Rum

Weinhändler Michael Grimm und seine kreativen Ideen zu alten edlen Tropfen

Ausbeute Weinhandlung Grimm

Im Frühjahr 2017 half Michael Grimm einem befreundeten Rechtsanwalt in Bremen, einen Nachlass zu verwerten. Eigentlich aus reiner Freundschaft und Gefälligkeit zu eben diesem Anwalt  wurde der Viano der Bacchus-Vinothek vollgetankt und es ging Richtung Norden. In einen Wald. Einen schlüpfrigen Wald.

Überall standen so kleine Wohnwägen auf den Waldwegen. "Das Navi hatte seine Probleme. Aber am Ende standen wir vor dieser Hütte, in der sich ein Weinkeller befinden sollte. Dass das nahe fließende Bächlein mal nen Ausflug in und durch den Keller der Hütte gemacht hatte, hatte uns niemand gesagt. Die Flaschen sahen entsprechend aus", erzählt Grimm. "Die Etiketten kaum lesbar und getrockneter Schlamm fand sich auf den meisten Flaschen. Zudem hatte einem Großteil der Flaschen die Korkmotte zugesetzt und die Korken zerbröselt. Entsprechend halbleer oder halbvoll waren die meisten Flaschen. Die erste Fuhre mit einem voll bepackten Viano ging dann auch zunächst zum Altglascontainer, den wir mal locker kurz füllten und den Platz fluteten."

Aber es gab auch echte  Schätze im Keller:  "Die ollen Korkmotten hatten  bei Schraubverschlüssen, also bei Spirituosen, keine Chance, sich durch den Kork zu bohren, auch bei Weinen mit Kapsel, die damals noch aus Blei waren, oder bei Champagneverschlüssen. Und so konnten wir doch noch etliche Bordeaux, Burgunder, Champagner und Spirituosen einladen und nach Rottweil 'verschiffen'. Durch die sehr niedrige Temperatur und die extrem hohe Luftfeuchtigkeit im Keller  - s’Bächle halt - war die Qualität der Weine und vor allem der Champagne sensationell." Bei den Flaschen, bei denen man den Jahrgang noch erkennen konnte, handelte es sich um die Jahrgänge 1961 bis 1969. Nichts war jünger. Auch nicht die Spirituosen. "Die letzten Flaschen, die wir noch haben, sind etwa 55 Jahre altes Zwetschgenwasser von Schladerer, ebenso alter Jamaica Rum und noch ein Likör. Was macht man mit so altem Zwetschgenwasser und ebenso altem Rum? Ausgießen? Trinken, einreiben? Feuerzangenbowle? Viel zu schade." fand der kreative Weinhändler.

 

Neue Pralinen aus der ältesten Stadt

"Wir haben in Rottweil wenig Blockbuster-Geschäfte. Appleshop oder sowas halt. Aber!!! Wir haben viele kleine und sehr individuelle Läden. Käse Caduff, Casa Capelli, My Engele, Leibkleid,… und seit neuestem auch eine Pralinen-Confisérie. In Rottweil?? Mutig." Tina Graf ist die Mutige, die die Petite Confisérie in der Kameralamtsgasse 2 eröffnet hat. Und nun macht sie aus den alten, edlen Tropfen Pralinen. "Limitiert. Wenn die fünf Liter verarbeitet sind, ist Schluss." Eine Win-Win-Situation. Zwar wird  es etwas dauern, bis das richtige Rezept gefunden ist, aber man darf schon mal gespannt sein.

Grimm hat aber auch für die noch brauchbaren Champagner- und Weinraritäten tolle Lösungen gefunden. "Aussehen tun die Flaschen nicht mehr so sexy. Gibt zwar ne Story, und die alten Portweine und den Whisky aus dem Keller haben wir auch im Laden und Versand mit der Story verkauft. Die Kunden kommen heute noch und wollen nochmals was haben", erzählt Grimm.
"Der 1969er Beaujolais wurde anlässlich des 50. Geburtstags vom Forum Kunst ausgeschenkt. Die Karaffen waren schnell leer!" Mit den Champagnerflaschen aus den Jahren 1961 bis 1969, Roederer Cristal und Dom Perignon, fuhren Michael und Nina Grimm nach Bad Neuenahr ins Zweisterne-Restaurant Steinheuers.  Dort gab es zwei großartige Events mit den alten Raritäten, zu denen auch der Chef von Roederer eigens aus der Champagne anreiste, um zu probieren.