
Am vergangenen Samstag, 3. Februar, reisten 32 Kunst- und Kulturinteressierte mit der Leiterin der Volkshochschule Anja Rudolf nach Aarau. Anlass war der Besuch der Ausstellung „Augusto Giacometti: Freiheit und Auftrag“ im Kunsthaus Aargau. Wie gewohnt führte Rudolf bereits im Bus mit ihrem Vortrag die Mitreisenden in den politischen und gesellschaftlichen Wandel um 1900 ein und beschrieb die Vielfalt der künstlerischen Lösungen, die Künstlerinnen und Künstler fanden, um mit der zunehmenden Industrialisierung sowie der schnelle technischen und wissenschaftlichen Entwicklungen umzugehen.
Sie beschrieb den Kampf der Frauen, um Anerkennung und Teilhabe und die vielfach männlich geprägte Gegenbewegung der verstärkten „Feminisierung“. Vor Ort begeisterte dann nicht alleine der Bau des Kunsthauses die Mitreisenden, sondern vor allem die großartige Führung der Kunstpädagogin des Kunsthauses. Schnell wurde klar, dass Augusto Giacometti anfangs sehr avantgardistische arbeitete, dass es ihm aber auch früh gelang, sich ein beruflich wertvolles Netzwerk zu schaffen und im Laufe seines Lebens bedeutende Positionen im Kunstbetrieb einzunehmen. Wie sehr sein Werk davon geprägt wurde, ob er es als Auftragsarbeit bzw. für wohlhabende Käuferkreise schuf oder als künstlerische Auseinandersetzung mit Zeitgeist und Zeitgeschehen, belegen die ausgestellten Werke eindrücklich. Die klugen Ausführungen der Kunstvermittlerin zu Zeitgeschehen, den Ereignissen des 1. bzw. 2.- Weltkriegs, zu Giacomettis Afrikareise, den wirtschaftlichen Interessen der Schweiz, französischen und deutschen Künstlerkollegen und vielem mehr, führten immer wieder zu direkten Nachfragen. So konnte sich die Gruppe kaum trennen. Doch ging es zu Mittag in die ‚Krone‘. Lachend berichtete eine Mitreisende ‚Ich habe noch niemals Burger gegessen. Da lerne ich noch mehr Neues. Und es ist gut“ Im Anschluss lud Rudolf zu einem Stadtrundgang durch die wundervolle „Stadt der bemalten Giebel“ ein. Denn selten kann man so gut wie hier, im kleinen, besterhaltenen Aarau mittelalterliche Stadtgründung, mit den anschließenden Stadterweiterungen über Gotik und Barock bis in das 19. Jahrhundert und sogar die Gegenwart erleben.