
Am vergangenen Samstag, 15. Juni reisten 20 Kulturinteressierte nach Schloss Achberg zur aktuellen Ausstellung „Schwäbische Impressionistinnen. Malerinnen zwischen Neckar und Bodensee (1890-1930)“ und staunten gemeinsam über so viel ‚Frauenpower. Dabei greift dieses Schlagwort viel zu kurz. Denn ab den 1880er Jahren suchten Frauen einen Weg in die Selbständigkeit und Mündigkeit. Sie erstritten sich für ihr eigenes Leben und ihr Umfeld Freiheiten, die ihnen die von Männern dominierte Politik erst viel später zugestand.
Die in der Ausstellung vorgestellten Frauen arbeiten als Künstlerinnen zum Lebensunterhalt. Dabei hatten sie oftmals nicht das Recht an den Akademien zu lernen. Das durften sie in Deutschland erst ab 1919. Für ihre Teilnahme an freien Malerklassen mussten sie nahezu das 4fache ihrer männlichen Kollegen zahlen. Sie galten als nicht rechtsmündig und durften daher weder Atelier noch Wohnung selbständig anmieten. Sie durften ohne Einwilligung ihrer männlichen Verwandten nicht arbeiten und nicht über das selbstverdiente Geld bestimmen. Viele der weiblichen Mitreisenden wussten sich zu erinnern, dass sie noch 1968, rein rechtlich, nicht ohne Einwilligung ihrer Ehemänner hätten arbeiten dürfen. So beschäftigte sich die Gruppe, wie seit fast 25 Jahren in über 250 Reisen unter Leitung der Kunsthistorikerin Anja Rudolf, nicht nur mit künstlerischen Ausdrucksformen, Kunstrichtungen und Kunstentwicklungen, sondern auch mit den jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Umständen. Tatsächlich reisten Teilnehmerinnen mit nach Schloss Achberg, die bereits 1999 das erste Mal mit Rudolf gereist waren.
So betonten die Exkursionsteilnehmer bei der Rückfahrt, dass das gemeinsame Erkunden einer Ausstellung, nach der Einführung durch Rudolf im Bus, mit einer Ausstellungsführung vor Ort, dem gemeinsamen Diskutieren, der anschließenden punktuellen Vertiefung von Einzelthemen durch Rudolf vor ausgewählten Kunstwerken, dem Nachmittagsprogramm mit Stadtführung oder kleinem Rundgang zu Natur und Botanik und dem vielfältigem Austausch eine Erkenntnis klar herausstellt „Gemeinsames Reisen bildet!“