Politik

Zukunft des Waldes: Im Dialog zu gemeinsamen Lösungen kommen

Mischwald und nützliche Bejagung - Sonja Rajsp im Gespräch mit ExpertenAuf Einladung von Sonja Rajsp, Landtagskandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, referierte der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner zur Zukunft des Waldes. „Der klimastabile Wald der Zukunf

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Auf Einladung von Sonja Rajsp, Landtagskandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, referierte der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner zur Zukunft des Waldes. „Der klimastabile Wald der Zukunft braucht Vielfalt mit mehr Laubbäumen, mehr natürlichem Aufwuchs statt Pflanzung und deutlich weniger Holzentnahme“, so die Kernthese des grünen Naturschutzexperten.

Ebner warf zunächst einen Blick auf den Waldzustandsbericht 2020. Die zuständige Ministerin Julia Klöckner lasse zu, wie unser Wald immer weiter sterbe und verteile Waldhilfen als Flächenprämie nach dem Gießkannenprinzip. Bindung an Ökologie und schonende Bewirtschaftung spielten bei Klöckners Hilfen keine Rolle. „So verpufft das viele Geld ohne Nutzen für den Wald von morgen“, so der Bundestagsabgeordnete.  Manche Mittel wirkten sogar schädlich, weil die Böden verdichtet werden, wenn die kranken Stämme herausgeholt werden, das verschärft auch die Austrocknung und nimmt Jungbäumen jede Startchance. Geplante Flächenprämien, getarnt als Vergütung für Klimaschutzleistungen, setzten Fehlanreize zur Pflanzung schnellwachsender Baumexoten, statt für naturnahe klimastabile Waldökosysteme zu sorgen. „Nötig sind daher klare Vorgaben für mehr Vielfalt, für mehr Naturnähe und eine schonende Bewirtschaftung“, so Ebner.
 
1,5 Milliarden Euro nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen sei unverantwortlich, sagt Dr. Jens Borchers. Er leitet seit über zehn Jahren erfolgreich eines der größten Privatforstunternehmen Deutschlands, das des Fürsten von Fürstenberg. „Der Wald als Familienbesitz über viele Jahrhunderte verlangt eine Bewirtschaftung im Sinne der Nachhaltigkeit“, betonte der Forstexperte. Überhaupt habe ökologisch nachhaltiger Waldbau in den Fürstenberg’schen Forsten eine 700-jährige Tradition. Er kritisierte, die Waldförderung mit 500 Millionen Euro Flächenprämie an Bedingungen zu koppeln, schließe vor allem die großen Waldbesitzer von der Förderung aus. „Es ist gut, wenn zertifizierte Wälder gefördert werden, aber das darf nicht zu sehr mit Bürokratie überlagert werden“, so Dr. Borchers.
 
Volker Ziesling von der Initiative „Waldwende jetzt“ schlug andere Töne an: „Die fortlaufenden Holzentnahmen erodieren den Wald von innen heraus und schränken damit seine Leistungsfähigkeit bezüglich Klimaschutz, Grundwasserspeicherung, Biodiversität und CO2- Bindung deutlich ein." Die größten Verluste hat die Kiefer, eigentlich eine Baumart der borealen Nadelwaldzone, die in besonderem Maße vom Trockenstress betroffen ist. „Der Wald benötigt dringend eine Ruhephase“, betonte Ziesling.
 
Faktenbasierter und ideologiefreier Umgang mit den Wildtieren, dafür steht der ökologische Jagdverein Baden-Württemberg, wie dessen Vertreter Alexander Eichner betonte.
Das geförderte Wildtiermanagement ziele darauf ab, sowohl die Arten in ihrer Gesamtheit wie auch deren Lebensraum Wald und die gegenseitige Beeinflussung im Auge zu behalten.
Im Rahmen einer lebhaften Diskussion betonten Gastgeberin Sonja Rajsp und der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner ausdrücklich, dass es nicht darum gehe, mit grüner Politik die Waldwirtschaft an den Pranger zu stellen. Ziel sei es, die Waldsituation zu analysieren und im Dialog zu gemeinsamen Lösungen zu kommen.