Menschen

Erfolg ist ... gelebte Vergebung?

Umarmung
Foto copyright Anna Shvets CC0 Creative Commons

Vergebung? Hä, wie jetzt? Was soll das jetzt? Was hat Vergebung mit Erfolg zu tun? Du bist skeptisch? Ja, du hast recht, auf den ersten Blick scheinen Erfolg und Vergebung recht wenig miteinander gemeinsam zu haben.

Vergebung und vergeben sind sperrige Worte. Wirken angestaubt. Wie aus einer anderen Zeit. Aber wenn du unter die Oberfläche schaust und tiefer in die Bedeutung blickst, dann wirst du schnell feststellen, dass diese beiden Themen ganz grundlegend miteinander verbunden sind. Der Versuch einer Annäherung an einen Begriff, den ich auch heute noch als elementar betrachte. Im Umgang miteinander. Und für persönlichen wie beruflichen Erfolg.
Wie lang habe ich diesen Groll in mir getragen ... Wie kann der nur? Das verletzte Ego in mir schreit. Das steht doch mir zu. Das hat die aber gar nicht verdient. Wie du mir, so ich dir. Ra- chegefühle machen sich breit. Da ist er wieder, dieser Neid, diese Eifersucht. Diese Angst, zu kurz zu kommen. Angst, ungerecht behandelt zu werden. Diese Angst, die an mir nagt. Die mich ver- bittert macht.

Wie anders fühlt sich jetzt heute diese Freiheit an. Kein Nachtragen mehr. »Federleicht« würde ich es nennen. Kein Vergleich mehr zu früher. Der Ballast ist weg. Kein schwerer, mit Steinen gefüllter Rucksack mehr, den ich mit mir rumschleppe. Freiwillig noch dazu. Ja genau, freiwillig, denn es ist meine Entscheidung. Mein freier Wille. Dafür oder dagegen. Für die Freiheit oder für die Last, die mir auch den letzten Rest an Lebensenergie raubt. Es ist meine Entscheidung zu vergeben.
Ja aber, was hat das alles mit einem erfolgreichen Leben zu tun hat, fragst du dich immer noch? In dem wohl größten Weisheitsbuch dieser Welt, in der Bibel, berichtet der Apostel Markus davon, wie Jesus den unmittelbaren Zusammenhang zwischen einem erfüllten und erfolgreichen Leben und meiner Bereitschaft zu vergeben erklärt: »Um was ihr auch bittet – glaubt fest, dass ihr es schon bekommen habt, und Gott wird es euch geben! Aber wenn ihr ihn um etwas bitten wollt, sollt ihr vorher den Menschen vergeben, denen ihr etwas vorzuwerfen habt« (Hoffnung für alle, Kap. 11, Vers 24/25).
Bemerkenswert ist, dass hier das sogenannte Futur 2 verwendet wird. Diese Zeitform wird auch als »erfüllte Zukunft« bezeichnet. Wenn ich also einen Wunsch habe oder ein Ziel verfolge, soll und darf ich bereits jetzt fest damit rechnen, dass sich mein Wunsch in der Zukunft erfüllt haben wird. So weit, so gut. Hört sich cool an, oder? Fast zu einfach. Erfolg mit Garantie. Wenn da nicht der zweite Teil dieser Textpassage wäre. Dieser Satz mit der Vergebung. Zuerst vergeben.

Versuch mal zu vergessen, welche Bilder du bisher von Gott gehabt hast. Bilder, die dir, die uns über Generationen vermittelt wurden. Stell dir einen leeren Raum vor. Der offen und frei ist, um dich auf neue Gedanken einzulassen. Die Bibel spricht davon, dass Gott das Leben sei. Dieses Leben, dein und mein Leben besteht auf Zellebene aus einem stetigen Austausch von positiv und negativ geladenen Teilchen. Und diese Energie befindet sich in ständiger Bewegung. Wenn diese Energie blockiert wird und aufhört zu fließen, stirbt der Mensch, ihm fehlt die Lebensenergie.
Groll ist eine dieser Blockaden in meinem Leben. Groll bindet diese Lebensenergie. Groll hemmt mich und macht mich krank. Macht mich unfähig, kreativ, gütig und kraftvoll zu sein. Meine Bemühungen werden keinen Erfolg haben, werden im Keim erstickt. Niemand wird mich hören, wenn ich weiter Steine werfe und anklage. Weil ich meine – eigentlich schöpferische, göttliche – Kraft und Energie darauf verwende, Steine aufzusammeln, rumzutragen und zu werfen. Welche Kraftverschwendung.

Aber wie geht das ganz praktisch, das mit dem Vergeben? Wie kann in meinem Leben Energie frei werden, die ich für mich und andere Menschen einsetzen kann. Wie kann ich meine Ent- scheidung zu vergeben in die Tat umsetzen? Denn nur dann werde ich in meinem Leben wirklich erfolgreich sein. Wenn ich meine Kraft und Energie für mich und zum Wohl meiner Mit- menschen einsetze.

Wenn ich vergeben WILL, beharre ich nicht mehr auf meiner Position, nicht mehr: »der hat aber ...« Ich rechne nicht mehr an. Ich schaue darauf, welchen Anteil ich am Konflikt habe. Wir Menschen glauben, zu jeder Zeit die volle Kontrolle über unser Denken, Handeln und Tun zu haben. Aber weit gefehlt. Unser Leben wird zu rund 80 % durch unbewusste Faktoren beein- flusst. Faktoren, die maßgeblich Einfluss darauf haben, wie ich mich entscheide, wie ich handle. Was ich denke und was ich tue. Das können Erfahrungen oder erlerntes Verhalten sein, insbe- sondere aus früher Kindheit. Oder es sind Erfahrungen unserer Vorfahren, die über genetische Mechanismen von Generation an Generation weitergegeben werden. Die sich dann in meinem Unterbewusstsein verankern und mein Leben wie ein Autopilot steuern. Also »nix is« mit bewussten Entscheidungen und rationalem Verhalten. Ganz andere Ebenen haben die Kontrolle über unser Leben.
Die Erkenntnis, dass sowohl ich selbst, aber auch mein Gegenüber meist unbewusst motiviert, haben mir die ganze Sache enorm erleichtert. Ich kann gnädig und barmherzig sein. Ich lege nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage. Und ich stelle mir in Konfliktsituationen folgende Fragen:

  • Wollte er mich verletzten?
  • Hat sie es überhaupt gemerkt, dass sie mich gekränkt hat?
  • Und wenn es ein Versehen war, warum bin ich dann so nachtragend?

Entscheide ich mich für die Vergebung, werde ich nicht nur von der Last des »Nachtragens« befreit. Ich darf auch erfreut feststellen, dass mir sehr oft aufgrund dieser Entscheidung auch meine Fehler nicht mehr angerechnet werden.
Dich hat jemand verletzt? Du wartest auf eine Entschuldigung und denkst: »Wann sieht der das endlich ein?« Und der Grimm in dir wächst immer mehr und zehrt an deiner Lebensenergie. Warte nicht auf eine Entschuldigung, mach du den ersten Schritt und sprich den anderen an. Möglichweise ergibt sich ein klärendes Gespräch. Vielleicht wollte der andere dich gar nicht verletzen. Aber eventuell ist auch keine Klärung möglich. Dann lerne, Entschuldigungen anzunehmen, die du nie bekommen hast. Lass auf jeden Fall deinen Groll los, sei nicht nachtra- gend, denn die Last der Bitterkeit trägst du selber. Es ist leichter zu vergeben, wenn du weißt, dass auch der andere oft unbewusst handelt – genau wie du selbst. Deshalb sei barmherzig – mit dir selbst und mit deinem Gegenüber. Dadurch wird die im Groll gebundene Energie freigesetzt und steht dir für neues schöpferisches Handeln zur Verfügung.

Und konsequentes Handeln führt zum Erfolg.