
Am vergangenen Samstag, 24. September, begab sich eine Gruppe Kunstinteressierter, zusammen mit der Kunsthistorikerin Anja Rudolf, auf den Weg in das Kunstmuseum Basel. Dieses zeigte bis Sonntag eines außergewöhnliche, kunsthistorisch hoch interessante und ästhetisch berauschende Sonderausstellung. In dieser wurde die Auseinandersetzung Pablo Picassos (1881–1973) mit dem auf Kreta geborenen Altmeister Doménikos Theotokópoulos, besser bekannt als El Greco (1541–1614), verdeutlicht.
Dank einer großartigen Führung vor Ort fanden alle Teilnehmenden nicht nur einen Zugang zum Meister des 16. Jahrhunderts, sondern sie erkannten darüber hinaus, dass gute Kunst immer auf der Kenntnis der Vorgänger fußt. Dass Picasso darüber hinaus bis zu seinem Tod souverän genug war, auch immer wieder auf seine Vorbilder zu verweisen und sogar ihre Namen auf seine Skizzen, Vorzeichnungen oder die Rückseiten der Gemälde zu schreiben, verdeutlichte deren Bedeutung zusätzlich. El Greco hatte es mit seiner einzigartigen Malweise, von Kreta stammend, in Venedig lernend und malend, endlich dann in in seiner neuen Heimat Toledo zu beachtlichem Ruhm und hohem Ansehen gebracht.
Das viele seiner Zeitgenossen fast verstört auf die Farbigkeit seiner Gemälde aber auch die dort verdeutliche Stofflichkeit reagierten, erstaunt auch heute kaum. Noch immer wundern sich Betrachter über seine seltsamen „Fels-Wolken“ und anderes mehr. Bald nach seinem Tod geriet El Greco in Vergessenheit. Vermutlich da vermeintliche „Kunstkenner“ ihn und seine Sammler schlecht redeten und schlecht schrieben. Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert kam es zu einer El Greco-Renaissance, an der der junge Pablo Picasso an vorderster Front beteiligt war. Die Ausstellung zeigte, dass sich Picasso intensiver und länger mit El Greco beschäftigte als bisher angenommen. Das ist in seinen kubistischen Gemälden ebenso deutlich zu erkenne wie auch in seinen Werken der 1930er- und 1940er-Jahren. Auch am Ende seines Lebens nimmt er noch Bezug auf den Altmeister. Die Schau und die führende Kunsthistorikerin eröffneten nicht nur neue Perspektiven auf Picasso und El Greco, sondern auch vielfältige Erkenntnisse darüber, welche Bedeutung diese Konstellation für die Entwicklung der Avantgarde-Kunst des 20. Jahrhunderts hatte. Rund 40 Gegenüberstellungen von Meisterwerken beider Künstler zeichneten diesen Dialog nach, der zu den faszinierendsten der Kunstgeschichte zählt. Wie gewohnt führte Anja Rudolf im Bus in das Thema ein, lud nachmittags, trotz Regen, zu einer kleinen Stadtführung ein und ließ den Tag mit der Gruppe bei einem kleinen Wallfahrtskirchenbesuch ausklingen.