
Kultur, verschoben - die neuen Ortseingangstafeln von Deißlingen weisen mit Witz und Ironie auf ein ziemlich trauriges Thema hin: In der Pandemie gehören die Kulturschaffenden zu den größten Verlierern. Seit gut einem Jahr gibt es weder Konzerte, Feste, Theater noch sonst irgendwelche Präsenzveranstaltungen, Schauspieler, Musiker, Eventveranstalter stehen teilweise vor dem Nichts, halten sich notdürftig mit Online-Angeboten über Wasser oder räumen Regale in Supermärkten ein.
Auch die KuKus, die Gruppe Kunst und Kultur in Deißlingen, leiden darunter, obwohl die fünf Macher die berühmten Events wie Lumpen unter Lampen, Kehlhofer Kehlen oder das letzte, den Brunne-Sunntig, ja ehrenamtlich auf die Beine gestellt haben.
Also nun das: Die fünf Herren sind zu sehen, aber eben auch verschoben, nämlich mit dem Gesicht auf der Scheibe, sozusagen der der Ortseingangstafeln. "Ich hatte schon länger die Idee, mit der Raumdimension der Tafeln zu spielen", erzählt Steff Hengstler, der versponnenste Kopf unter den KuKus. "Also irgendwas, das die Raumtiefe der Tafeln zur Geltung bringt, wo die Scheibe quasi wie ein Fenster wirkt, hinter dem die Raumtiefe fühl- und sichtbar wird." Ein Fenster, sozusagen, das ein wenig zur Bühne wird, oder auch zum Aquarium - sogar das Gurkenglas fiel den kreativen Herren dazu ein.
So entstand die Idee von der "Kultur im Glas", in der die fünf Köpfe zu Konserven werden. "Eben weil live keine kulturellen Veranstaltungen möglich sind. So als wären wir hinter Glas eingesperrt oder konserviert und wollten zur Scheibe rausdrücken." Doch ist das nicht zuviel der Selbstdarstellung, wenn die Kukus sich selbst präsentieren? Ja, auch das wurde diskutiert, und schließlich verworfen. "Als wir unsre platten Rüben und verschobenen Visagen dann gesehen haben, fanden wir den Ausdruck 'Kultur verschoben' noch passender. Und ganz ehrlich: Wirklich vorteilhaft ist dies Art der Selbstdarstellung nun keineswegs."
Um die platten Rüben kümmerte sich schließlich noch Grafikexperte Jürgen "Beges" Bögelspacher, und so sind sie nun an den Ortseingängen von Deißlingen und Lauffen zu bewundern, wo sie, wie gewohnt humorvoll und hintergründig, auf das Fehlen der Kultur aufmerksam machen. Und, so ganz am Rande, dem Betrachter ein Grinsen ins Gesicht zaubern. Wenn das nichts ist!