OB Dr. Christian Ruf: "Ohne Landesgartenschau wären viele Projekte nicht realisierbar"

Bericht zum 2. Rottweiler Wirtschaftstreffen „voRWärts Wirtschaft 2028“ am 25. November 2025
copyright Rottweil inside
Sie haben zum 2. Rottweiler Wirtschaftstreffen in die Experimentier- und Arbeitswelten eingeladen: Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf, Enno Walkenfort (LEADER Oberer Neckar), Angela Blaes (LEADER Oberer Neckar), Dr. Christine Schellhorn (Campus Schule-Wirtschaft geG), Alexander Stengelin (Wirtschaftsförderer), Bettina Weigl (Wirtschaftsförderung)

Beim 2. Rottweiler Wirtschaftstreffen in den Experimentier- und Arbeitswelten im Neckartal wurde deutlich, in welchem Tempo und mit welcher Konsequenz sich Rottweil gerade neu erfindet. Rund 70 Unternehmerinnen und Unternehmer folgten der Einladung der Stadt und bekamen einen ebenso offenen wie eindrücklichen Einblick in die laufenden und kommenden Projekte. Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf machte dabei klar, dass die Landesgartenschau 2028 weit mehr ist als ein einmaliges Großereignis. Sie ist der zentrale Hebel, der Rottweil in vielen Bereichen erst handlungsfähig macht.

Die Hängebrücke – ein neues Wahrzeichen entsteht

Das derzeit wohl sichtbarste Projekt ist die Hängebrücke, deren 60 Meter hoher Pylon Woche für Woche weiter in die Höhe wächst. Seit dem Spatenstich kurz nach der Fasnet 2025 laufen die Arbeiten schneller voran als allgemein erwartet. Bereits Ende April des kommenden Jahres soll die Brücke eröffnen und die historische Innenstadt direkt mit dem Testturm verbinden.

Damit entsteht nicht nur eine architektonische Besonderheit, sondern auch ein dauerhafter Besucherstrom: Die Stadt rechnet mit rund 100.000 zusätzlichen Menschen pro Jahr, die über die Brücke in die Altstadt gelangen – ein Impuls, der für den Handel dringend gebraucht wird.

Friedrichsplatz, Heiligkreuz und Münsterplatz – ohne Fördermittel undenkbar

Dr. Ruf sprach offen an, dass viele der nun startenden Maßnahmen ohne die Zuschüsse der Landesgartenschau kaum oder gar nicht finanzierbar wären. Der Friedrichsplatz ist dafür ein besonders deutliches Beispiel: Seit Jahren gilt er als Problemzone, doch die notwendigen Investitionen übersteigen das, was der städtische Haushalt leisten kann. Erst durch die Landesgartenschau wird es möglich, die gesamte Fläche neu zu gestalten, die Verkehrsführung umzustellen und unterirdische Leitungen zu erneuern.

Ähnlich verhält es sich mit der Sanierung der Heiligkreuzgasse, deren maroder Belag seit langer Zeit kritisiert wurde. Die Arbeiten dort schaffen nicht nur ein neues Bild, sondern vor allem eine deutlich verbesserte Barrierefreiheit. Auch der Münsterplatz wird im Zuge dieses Programms in mehreren Schritten erneuert. Die Stadt nutzt die Chance, bestehende Schwächen zu beheben und gleichzeitig attraktive Aufenthaltsflächen zu schaffen.

Landesgartenschau 2028 – der Motor für einen historischen Entwicklungsschub

Der Oberbürgermeister zeigte auf, wie umfangreich die Landesgartenschau wirkt – und dass ihr Einfluss weit über das eigentliche Gelände hinausreicht. Viele Projekte haben nur deshalb eine Förderpriorität, weil Rottweil als Landesgartenschau-Stadt eingestuft ist. Das betrifft etwa die Renaturierung des Neckars, die mit rund sieben Millionen Euro komplett vom Land finanziert wird und aus fachlichen Gründen ohnehin nur durch Landesbehörden umsetzbar gewesen wäre.

Ein weiteres Beispiel ist die Umsiedlung der ENRW nach Neufra, wo ein modernes Betriebszentrum entstand. Diese Verlagerung wäre ohne die strukturelle Neuordnung, die durch die Landesgartenschau angestoßen wurde, nicht möglich gewesen. Auch an den Schulen zeigt sich der Effekt: Rottweil erhält gleichzeitig für mehrere Sanierungen Fördermittel, wo sonst üblicherweise nur ein einzelnes Projekt berücksichtigt worden wäre.

Selbst das Parkhaus Stadtmitte-Süd konnte dank drei Millionen Euro Zuschuss realisiert werden – ein Vorhaben, das ansonsten kaum finanzierbar gewesen wäre. All diese Projekte zeigen, dass die Landesgartenschau die Stadtentwicklung nicht belastet, sondern in außergewöhnlichem Maß beschleunigt.

Neue Wege für eine attraktivere Innenstadt

Im weiteren Verlauf stellte Dr. Ruf dar, wie sehr die Stadt durch neue Wege und Zugänge gewinnen wird. Der Aufzug an der Hohen Brücke, der künftig die Höhendifferenz zwischen Stadtgraben und Innenstadt überwindet, ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Barrierearmut. Zudem soll der neue Zugang über den Innenhof des alten Spitals eine direkte Verbindung vom Gartenschaugelände in die untere Hauptstraße schaffen.

Diese neue Achse wird künftig eine Scharnierfunktion übernehmen und Besucher nahtlos von der Landesgartenschau in die Innenstadt führen. Für Gastronomie, Einzelhandel und Kultur entstehen dadurch gänzlich neue Möglichkeiten.

Mehr als Besucherzahlen – ein Fundament für die kommenden Jahrzehnte

Dr. Ruf betonte, dass sich der Erfolg einer Landesgartenschau nicht allein an den Besucherzahlen messen lässt. Wichtig sei vielmehr das Potenzial, das sich daraus entwickle. Landesgartenschauen sprechen alle Generationen an: Familien, junge Erwachsene, Senioren. Sie erzeugen eine starke regionale Ausstrahlung und beleben Innenstädte häufig dauerhaft.

Investoren blicken mit neuem Interesse nach Rottweil, wie etwa der Umbau des Alten Spitals zum Hotel zeigt. Der Investor machte klar, dass das Projekt ohne die Landesgartenschau nicht realisierbar gewesen wäre. Die Stadt erhält dadurch zusätzliche Übernachtungskapazitäten und neue wirtschaftliche Perspektiven.

Ein Angebot an die Wirtschaft – und eine Einladung zum Mitgestalten

Der Oberbürgermeister ermutigte die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer, sich aktiv einzubringen. Sponsoring sei keine Spende, sondern eine klare Leistung im Austausch für Sichtbarkeit, Zugangsmöglichkeiten und die Beteiligung an einem der größten öffentlichen Projekte der Region.

Unternehmen können sich dauerhaft oder temporär einbringen, sei es durch Namensrechte, Möblierungselemente, Spielbereiche oder den Einsatz eigener Kompetenzen. Die Stadt betont ausdrücklich, dass Sach- und Dienstleistungen ebenso wertvoll sind wie finanzielle Beiträge. Kreative Ideen seien willkommen, denn für jedes Unternehmen gebe es passende Formen der Beteiligung.

Ein Appell an Zusammenhalt und gemeinsames Durchhalten

Dr. Ruf sprach auch die mit den vielen Baustellen verbundenen Herausforderungen an. Sperrungen, Umleitungen und Einschränkungen seien zwar unvermeidbar, dienten aber einem Ziel, das weit über das Jahr 2028 hinausreiche. Die Stadt könne diese historische Chance nur gemeinsam nutzen.

Der Oberbürgermeister machte deutlich, dass der Eröffnungstermin feststehe und die Stadt alles daran setze, rechtzeitig fertig zu werden. Selbst wenn nicht alle Projekte bis Frühjahr 2028 vollständig abgeschlossen sein werden, bleibt der Kern unerschütterlich: Die Landesgartenschau präsentiert Rottweil von seiner besten Seite und stellt die Stadt ins Schaufenster Baden-Württembergs.


Ein Fazit, das Mut macht und die Zukunft greifbar werden lässt
Rottweil erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Viele der neuen Wege, Plätze, Gebäude und Renaturierungen wären ohne die strukturellen Effekte der Landesgartenschau nie entstanden. Sie schaffen Aufenthaltsqualität, stärken Handel und Gastronomie, schaffen Lebensräume, verbinden Stadtteile und erhöhen die Attraktivität des gesamten Standorts.
Die Bauarbeiten mögen anstrengend sein, doch sie sind Ausdruck eines historischen Fortschritts. Was jetzt entsteht, wird Rottweil über Jahrzehnte prägen – moderner, grüner, offener, barriereärmer und wirtschaftlich stärker als zuvor.
Jetzt ist die Zeit, diesen Weg mitzugehen und aktiv mitzugestalten.
Rottweil wächst zusammen – und jeder Schritt, den die Stadt heute geht, ist ein Schritt in eine gemeinsame, hoffnungsvolle Zukunft.
Wer an dieser Zukunft mitwirken will, findet gerade jetzt die besten Voraussetzungen. Denn Geschichte entsteht nicht im Rückspiegel – sie entsteht, wenn Menschen den Mut haben, voranzugehen.

Umkreissuche aktivieren?

Möchten Sie passende Angebote in Ihrer Umgebung sehen? Wir benötigen dazu Ihre Zustimmung zur Standortfreigabe.

Datenschutzbestimmungen anzeigen