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Pressemitteilung

kunst raum rottweil bietet Aussichten ins Offene

kunst raum rottweil bietet Aussichten ins Offene
Blick in die Ausstellung „Aussichten ins Offene“ im kunst raum rottweil mit Arbeiten von Ulrike Kessl und Julia von Troschke. Raum und Werke treten dabei in einen direkten Dialog.Foto copyright Robert Hak

Am Sonntag, 26. April, lädt die Ausstellungsgemeinschaft kunst raum rottweil um 11.00 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung „Aussichten ins Offene – Ulrike Kessl und Julia von Troschke“ ins Dominikanermuseum ein. Die Einführung in das Ausstellungsthema übernimmt Anna-Maria Ehrmann-Schindbeck von der Galerie der Stadt Tuttlingen.

Mit der Ausstellung beschreitet der kunst raum rottweil neue Wege: Erstmals werden die Werke zweier Künstlerinnen gleichzeitig präsentiert. Diese Form der Doppelausstellung soll künftig ein fester Bestandteil des Programms werden. Sie eröffnet nicht nur einen Dialog zwischen unterschiedlichen künstlerischen Positionen, Materialien und Bildwelten, sondern fordert zugleich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsraum selbst. Der Raum wird dabei zum integralen Bestandteil der Ausstellung – als gestaltetes Element, das aktiv in die Wahrnehmung der Besuchenden einbezogen wird.

Ulrike Kessl, in Rottweil geboren, lebt und arbeitet heute in Düsseldorf. In ihren experimentellen skulpturalen Arbeiten und Installationen erforscht sie das Verhältnis von Mensch und Raum. Durch textile Interventionen verfremdet und transformiert sie Alltagsgegenstände und Kleidung und überführt sie in neue künstlerische Kontexte.

Im Dialog dazu stehen die Werke der in Oberndorf lebenden Künstlerin Julia von Troschke. Ihre häufig aus Holz gefertigten Bilder und Skulpturen sind in einer figurativen Tradition verankert und widmen sich dem Menschen sowie dessen Interaktion mit seiner Umwelt.

Auf den ersten Blick scheinen die beiden künstlerischen Positionen wenig gemeinsam zu haben – hier vornehmlich textile, experimentelle Raumarbeiten, dort figürliche Darstellungen, bevorzugt in Holz. Doch beide Künstlerinnen verbindet das Interesse an der Wiederverwendung von Materialien und Alltagsresten sowie die intensive Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch, Raum und Umwelt.

Die Ausstellungskonzeption macht diesen Ansatz sichtbar, indem sie die Architektur des kunst raum rottweil bewusst einbezieht. Ulrike Kessl transformiert mit ihrer Installation „Jeans“ eine der zentralen Säulen des Raums: Ausgestopfte Hosen umschlingen die Struktur bis auf Augenhöhe und verleihen ihr eine neue, körperlich erfahrbare Präsenz. Mit dem „Turmkleid“ erschließt sie zudem einen bislang kaum genutzten Bereich in der Höhe des Raums und erweitert so die Wahrnehmung über die bestehenden Strukturen hinaus.

Auch Julia von Troschke arbeitet raumgreifend: Ihre Eva-Scherenschnitte übernehmen die Funktion von Raumteilern, ohne den Raum zu schließen. Ihre Transparenz ermöglicht neue Blickbeziehungen zwischen den Werken. Arbeiten wie „Na auch ’n Apfelschnitz vom Baum der Erkenntnis“ greifen diese Themen auf, während „Thumbs Up!“ bewusst über den Bildrahmen hinaus in den Raum hineinwirkt und die Wand selbst zum Bestandteil des Kunstwerks macht. An den Wänden verschränken sich die Werke beider Künstlerinnen zu einem dichten Geflecht aus Kontrasten und Verbindungen. Dieses Zusammenspiel eröffnet eine vielschichtige Perspektive auf das „Offene“, das im Ausstellungstitel anklingt: ein Zustand zwischen Raum und Idee, geprägt von Unsicherheit, Veränderung und Möglichkeiten. Neben den Künstlerinnen und der kuratorischen Konzeption sind die Betrachtenden selbst ein wesentlicher Bestandteil dieser Ausstellung. Erst durch ihre Wahrnehmung, ihre Assoziationen und Perspektiven entfaltet sich das Experiment „Aussichten ins Offene“ in seiner ganzen Tiefe.