Einstimmung auf Ostern: Mädchenchor gibt Benefizkonzert

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Es ist jedes Jahr ein besonderes Ereignis, wenn der Mädchenchor Rottweil sein Palmsonntagskonzert auf dem Dreifaltigkeitsberg gibt. Auch dieses Mal spannten die Sängerinnen mit Chorleiter Andreas Puttkammer einen weiten Bogen durch die Musikgeschichte, von frühem Barock bis in die heutige Zeit, und hatten neben Gerlinde Puttkammer an Orgel und Klavier auch die beiden Blockflötistinnen Andrea Binder und Alida Gaymann zur instrumentalen Verstärkung dabei.

Von Johann Vierdank, Johann Sebastian Bach oder auch Johann Michael Haydn stammen die Werke des ersten Konzertteils, passend zur Karwoche, und zur Weltsituation: „Verleih uns Frieden“ komponierte Andreas Hammerschmidt 1646, als Deutschland von 28 Jahren Krieg verwüstet war – und es ist doch so aktuell. So sangen sich die Mädchen und jungen Frauen in die Herzen ihrer Zuhörer in der voll besetzten schönen Wallfahrtskirche. Zwischen die barocken Werke mischte sich passend „Now Jesus went into the garden“ von Helen Kemp (1918–2015), die hier auch das „Ubi Caritas et Amor“ aus Taizé eingebunden hat – wo die Güte und die Liebe sind, da ist Gott. „De profundis“, eine Komposition des Bruders von Joseph Haydn, Johann Michael, bildete den Abschluss des ersten Teils, und der große Beifall zeigte, wie sehr das Publikum beeindruckt war.

Den Mittelteil bildete das Trio in B-Dur von Antonio Vivaldi, das die beiden Blockflötistinnen und Organistin Gerlinde Puttkammer in großer Virtuosität darboten.

Werke der Neuzeit prägten den dritten Teil. Hier war auch das „Und der Regen rinnt“ von Ilse Weber zu hören: Eigentlich ein Gedicht, das Ilse Weber im KZ Auschwitz geschrieben hat, wo sie schließlich ermordet wurde. In der Kinderstation versuchte sie, das Leid zu lindern, und schrieb, um dies selbst auszuhalten. Andreas Puttkammer hat das Gedicht vertont – ein überwältigendes Gedenken an die vielen Opfer des Nationalsozialismus. Hoffnung auf bessere Zeiten, das verspricht „Fix  you“ von Coldplay: Wenn Du Dein Bestes versuchst und dabei scheiterst, heile ich Dich. Tröstende Worte bot auch das fast 1000 Jahre alte „Victimae Paschali Laudes“, das zu den ältesten Ostersequenzen der Kirche gehört und den Blick auf die Auferstehung Christi richtet, hier aufgeführt in einer sehr jazzigen und teils dissonanten Version, und erstmals von einem Mädchenchor.

Den Abschluss machten „We are one“ von Christopher Alexander, was jedoch nicht bedeutete, dass Chor und Instrumentalistinnen gehen durften, denn eine Zugabe musste sein, und die gab es auch mit dem „Abendlied“, einem Kanon von Christoph Hiller: „Wenn der Abend wieder seine Stille breitet, schenkt die Nacht dem Mond ein Haus“. Ein zauberhafter Abend, und am Ende kamen viele Spenden zusammen, die der Chor für den Verein „Hamami“ der Rottweiler Zahnärztin Houma Kustermann sammelte. Der Erlös geht in den Bau einer Kindertagesstätte im ärmsten Teil des ohnehin sehr armen Landes, wo Houma Kustermann eine Berufsschule samt Landwirtschaft betreibt.

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