
Im Moment sind im Kreis Rottweil die Geschäfte noch geöffnet. Das könnte sich nächste Woche ändern: Der Inzidenzwert liegt Stand Freitag bei 74, wie Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel in der wöchentlichen Telefonkonferenz mitteilte. Seit drei Tagen liege man nun über der magischen 50er-Marke. Allerdings sind es vor allem Ausbrüche in Schramberg, besonders betroffen ist der Teilort Tennenbronn. 101 Infizierte meldete das Gesundheitsamt am Freitagmorgen, 59 davon im Stadtgebiet von Schramberg, davon wiederum sind 70 Prozent in Tennenbronn. Darum werde man mit dem Sozialministerium abklären, ob die Läden im ganzen Kreis oder nur den betroffenen Gebieten zu machen müssen.
Offenbar breitet sich die britische Virus-Variante nun auch im Kreis Rottweil aus, wie Michel berichtete, "wir haben erstmals einen deutlichen Schwerpunkt bei den bis 10- und bis 19-Jährigen." Und die hätten inzwischen mit schweren Symptomen zu kämpfen, so der Landrat, allerdings werde keiner im Krankenhaus behandelt, sie haben vor allem Fieber und Gliederschmerzen. Das Gesundheitsamt ist dabei, die Kontakte nachzuverfolgen, weiterhin mit Hilfe von Bundeswehrsoldaten, und auch hier zeichnet sich ab, dass es ein lokal begrenzter Ausbruch sein könnte. Erfreuliche Nachrichten hatte Michel auch: Die Alten- und Pflegeheime sind fast komplett durchgeimpft, auch bei den Tagespflege-Einrichtungen sieht es gut aus. "Und wir haben keine weiteren Todesfälle", so Michel. Bei einem Ausbruch in einem Heim in Sulz, wo die Bewohner und Mitarbeiter bis dahin nur die erste Impfung bekommen hatten, seien kaum Symptome aufgetreten. Michels Appell an die Mitarbeiter: "Lassen Sie sich impfen!" In Schramberg und Tennenbronn sei es jetzt erst einmal Sache der Stadtverwaltung als zuständige Ortspolizeibehörde zu entscheiden, welche Maßnahmen sie treffe. Ob im ganzen Kreis die Geschäfte schließen müssen, entscheidet sich am Wochenende. "Das wäre ein harter Einschnitt und ein herber Schlag für die Einzelhändler", betonte der Landrat. "Wir machen uns die Entscheidung nicht leicht. Der Einzelhandel kämpft seit vielen Monaten um die Existenz, viele stehen mit dem Rücken zur Wand." Das Gesundheitsamt erfasse derzeit alle Daten und bewerte sie, am Wochenende berate man dann, letztendlich treffe aber das Sozialministerium die Entscheidung. Michel begrüßte den Antrag der Stadt Rottweil, Modellstadt zu sein, "ich bin gespannt auf die Reaktionen. Das Sozialministerium in Stuttgart scheint eher reserviert zu sein." Rottweil möchte es gerne wie Tübingen machen, wo Geschäfte, Museen und Cafés offen sind, man aber nur mit einem aktuellen Corona-Test in die Stadt darf.
Stephan Vilgis vom Gesundheitsamt betonte, die Erkrankten würden engmaschig überwacht und beraten, auch um die Infektionsketten nachzuvollziehen, 170 Kontakte habe man bis jetzt ermittelt, „es werden wohl noch mehr“, ein sehr großer Anteil seien Kinder. Derzeit würden die Bewohner der sechs Behinderteneinrichtungen im Kreis durchgeimpft, sagte Thomas Seeger vom Ordnungsamt, das übernehme das Mobile Impfteam aus Offenburg, das auch seinen eigenen Impfstoff mitbringe. Er appellierte, auf Reisen über Ostern zu verzichten: „Wir befürchten durch Rückkehrer neue Infektionsherde und neue Virusvarianten:“ Dass von den 21 Städten und Gemeinden im Kreis fünf gänzlich ohne, sechs nur mit einer und vier mit zwei Infizierten gut da stehen, „das ist ein gutes Zeichen“, meinte der Landrat. Kreisbrandmeister Nicos Laetsch, erzählte von der Warteliste der über 80-jährigen Impfwilligen: 970 Anfragen, alle seien inzwischen abtelefoniert und Termine angeboten worden. Nun hoffe man, die Schließungen vermeiden zu können, aber das hänge eben von der Bewertung ab: Ist es nur ein Ausbruch mit verschiedenen Strängen oder diffus? Michel bremste zu große Hoffnungen: „Man kann die Zahlen halt nicht so lange in die Luft werfen, bis sie einem gefallen.“