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Ich habe frei, unverhofft, so richtig und so ganz für mich. Das ist großartig. Es sind Ferien, und ich hatte zwei Tage Urlaub genommen - für wenigstens einen Ausflug mit den Nachbarn oder so. Nun haben die Kinder ihr „Frei“ ganz anders aufgeteilt. Und das ist auch okay. Ich habe die Kinder gerne um mich, aber man kommt halt auch zu nichts so wirklich. Jetzt ist die Bühne aufgeräumt und die Pflanzen sind vom Hof nach oben geholt, die Stulpen sind fertig gestrickt, und die Sache mit dem Kontowechsel habe ich endlich in die Hand genommen. Das sind typische Baustellen für Prokrastination – ewiges Vor-sich-herschieben. Ich muss schon echt Zeit übrig haben, um das anzupacken.

Ich hatte kein Problem mit meinem Konto; das war umsatzgering, aber solide geführt. Nur machte meine Filiale dicht. Wo die BW-Bank in der unteren Hauptstrasse war, ist jetzt zappenduster und leergeräumt. Das ist bedauerlich, vor allem für die, die da arbeiteten. Es wird gemunkelt wieso und weshalb; „Die Roten“ hätten eventuell etwas damit zu tun, und damit ist nicht die SPD gemeint. Keine Ahnung. Ich weiß es nicht und kann und will es auch nicht beurteilen. Und natürlich könnte ich Kundin der Bank bleiben, ich mache eh fast alles online. Und auch bei der BW-Bank gibt es Hotlines und werden Fragen am Telefon geklärt. Aber manchmal gibt es doch Momente, da will ich vor jemandem stehen oder bei jemandem sitzen und mein Anliegen von Angesicht zu Angesicht klären. Manchmal brauche ich ein Gesicht und die persönliche Sachbearbeiter*in. Zum Beispiel wenn es um technische Probleme des Onlinebankings geht. So wie jetzt mit meinem Wechsel zur Postbank. Das Problem hätte ich freilich nicht, hätte ich nicht gewechselt. Der Tan-Generator von der BW-Bank hat ja noch tadellos funktioniert. Die Postbank aber, dachte ich, die hat überall Filialen. Das ist doch was.

Das mit dem Kontowechselservice klappte nicht. Am Ende war´s mehr Generve als Service; die eine Bank verwies mit allem, was sie NICHT tun konnte, auf die andere, die Zeit drängte und erste Zahlungen klappten nicht. Und schließlich musste ich es doch alles selbst in die Hand nehmen. Und eben dies ist ohne Onlinebanking schwierig. Also habe ich mir einen Termin geholt.

Ich finde diesen Postbau ganz unsagbar traurig. So schön der Tag draußen sein mag – drin ist er grau und trist und niederschmetternd. Und dann das Büro des Sachbearbeiters. Er kann einem leid tun. Ein kleines, tristes, vollkommen schmuckloses Kabuff, und einen Meter vor seinem Schreibtisch - er sieht darauf, sobald er den Blick hebt - ein Werbeplakat für irgendeine Anlage; ein überdimensionales, älteres Ehepaar, die Frau eher im Hintergrund, der Mann liegt zentral vorne auf einem Liegestuhl und grinst riesenhaft und feist in die Kamera. Ich würde durchdrehen, wenn ich das den ganzen Tag sehen müsste. Der Sachbearbeiter allerdings war freundlich und hilfsbereit und kompetent – mein Onblinebanking läuft jetzt. Diese Hürde ist genommen.

Und doch ist´s ein schwieriger Start und steht meine Beziehung zu meiner neuen Bank unter einem – ich sag mal – ambivalenten Stern. Erst im Einrichten fiel mir auf, dass ich jetzt Kundin der Bank 24 bin, dem Ableger der Deutschen Bank für die kleinen Fische. Das war gar nicht mal soo kleingedruckt. Ich hatte es trotzdem überlesen. Zur Deutschen Bank hatte ich nicht gewollt. Irgendwie ist das ein übler Verein. Die empfinde ich als kriminell. Die Deutsche Bank hat Auschwitz finanziert und schon früh Juden enteignet und deren Geld an die Nazis überwiesen. Das Arisieren jüdischen Besitzes war ihr Ding. Dafür wurde die Bank 1947 zerschlagen. - Und 1957 einfach neu gegründet. Zur Rechenschaft wurde niemand gezogen. Der Deutschen Bank war nie was anderes heilig als Geldverdienen, und das möglichst viel, egal wie. Das hat sich nicht geändert. Jeder erinnert sich an Hilmar Kopper, der den Millionenschaden bei der Schneider-Pleite, die so manchen Handwerker mittellos ließ, als „Peanuts“ bezeichnete, und Ackermann zeigte mit seinem Victory-Zeichen bei dem Untreue-Prozess gegen ihn auch deutlich, dass er auf einem anderen Stern lebt. Und das tun sie noch heute. 2020 wurden trotz Milliardenverlusten aus 2019 1,5 Milliarden Euro an Boni gezahlt. Das nennt sich variable Vergütung, und ich nehme an, gedacht ist das wie die Provision bei Kaufleuten – man erhält ein Grundgehalt, das die Miete zahlt und den Kühlschrank füllt, und wer mehr schafft und mehr Erfolg hat, erhält am Ende des Jahres eine Extrazahlung zum Gehalt. Es ist ja nicht so, dass dies Gehalt so schlecht wäre - auch die Grundgehälter dieser Banker liegen vielfach jenseits der Millionengrenze. Ich verstehe nicht, dass Bonizahlungen auch erfolgen bei Verlusten und wenn man nur seinen Job gemacht hat. 2020 hatte die Bank 113 Millionen Gewinn gemacht und sich dafür 2021 1,9 Milliarden Boni ausgezahlt. Den Gewinn gab es auch nur, weil die Bank Verluste aus Handelsgeschäften in eine interne Bad Bank verschiebt. Und das darf sie, selbst als offiziell “systemrelevant“; das heißt, zur Not würde sie gerettet. Finde ich krass. Die Deutsche Bank ist aktiv in der Nahrungsmittelspekulation, was ein Geschäft mit dem Hunger ist, sie finanziert katastrophale Bergbaumethoden und unterstützt den Börsengang von palmölproduzierenden Unternehmen, die den Regenwald abholzen. In der Unternehmenskultur der Deutschen Bank zählt nach wie vor nur eine hübsche Bilanz und satte Boni. Das mögen die Regeln des Marktes sein. Aber wenn der Markt SO regelt, dann tut er es offenbar ziemlich scheiße.

Bleibt abzuwarten, wie unsere kleine Geschäftsbeziehung läuft.

Corona ist eine Nebensache in meinem Alltag geworden. Die Maske ist normal, das wöchentliche Testen geht nebenbei, 3G und Abstand, und eingefügt und abgetrotzt Momente der Nähe und Geselligkeit. So hatten wir mal wieder eine Party im Haus. Das war schön. Und wenn die sechs Monate um sind, werde ich mich wohl nochmal impfen lassen, aus Gemeinsinn und Solidarität, weil ich alte Eltern habe und in einem Pflegeheim arbeite und kein Risiko darstellen will , und eben WEIL ich meinem Immunsystem vertraue. Das wird wissen, wie es mit der Impfung umzugehen hat. Das alles ist kein 100%-iger Schutz, das weiß ich und nehme es hin; aber es ist ein Schritt in Richtung „raus aus der Krise“. Meine Ängste in Ehren, aber ich meine, das sind triftige Gründe. Was ich allerdings nicht verstehe, ist, weshalb noch immer keine anderen Impfstoffe auf dem Markt sind als diese mRna-und Vektordinger. Mit noch anderen verfügbaren Wirkprinzipen wäre die Akzeptanz sicher größer. Da waren doch noch andere Impfstoffe im Gespräch. Was ist mit denen? Ich verstehe auch so manches nicht. Diese 2G-Geschichte, oder 3G mit kostenpflichtigen Tests und ohne Lohnfortzahlung im Quarantänefall, wenn man Kontaktperson war - das ist Impfzwang. Natürlich ist es das. Es wird keinem mit Gewalt die Nadel in den Arm gehauen, aber der Druck soll zwingen. Ich finde das schon eine fiese Nummer. Und sie scheint auch nicht sonderlich erfolgversprechend. Die Inzidenzen steigen, weil keiner mehr nachvollziehen kann, wer sich wie wo bewegt.

Bedenken sind erlaubt. Es gibt gute Gründe dafür. Staaten und ihre Institutionen und auch manche Medien sind mit ihren Bürger*innen und Kund*innen und deren Vertrauen in sie nicht immer sehr sorgsam umgegangen. Und je weiter die Schere zwischen Oben und Unten und zwischen Arm und Reich sich öffnet, umso mehr Misstrauen entsteht. Zweifel sind erlaubt und legitim und zum Teil durchaus nachvollziehbar, auch und gerade in dieser Pandemie, in der auch ich mich bisweilen wundere über die Art und Weise, was wie wo gewichtet wird.

Am Ende wird jeder hinnehmen müssen, dass ein paar halt nicht wollen, sich nicht impfen lassen. Dann ist das halt so. Der ganze Druck, das Öl, das man da jetzt ins Feuer gießt, das steckt irgendwas anderes in Brand, irgendwo. Man könnte auch sagen „wir schaffen das!“, gemeinsam. Wir können mit solchen Reibereien und Unterschieden leben. Ich mag sie sogar ganz gerne – das ist etwas aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Wohlgemerkt, ich meine das Impfen, nicht die Faschos und Nazis, die sich in den Reihen der Impf-Skeptiker tummeln und da mit am lautesten schreien. Jeder in seinem eigenen Tempo, jeder in seinem eigenen Tritt. Es wird neue Impfstoffe geben und neue Zahlen, neue Situationen und Erkenntnisse. Wer heute „nein“ sagt, sagt vielleicht morgen „ja“, oder nächste Woche, oder nächsten Monat oder nächstes Jahr. Manche sagen es nie, und dann ist das auch so; manche sind ewig eigen. Das gibt’s halt auch auf der Welt. So viel Toleranz muss sein. „Wir schaffen das!“ trotzdem, gemeinsam.

Für das Krankenhauspersonal ist die ganze Sache übel, das sehe ich schon. Die müssen´s leiden. Aber denen würde ich so fette Boni zahlen, dass selbst die Deutsche Bank blass wird, und sie sich Köche und Putzhilfen, Nannys und persönliche Masseure leisten und sich auf eine Weltreise danach freuen können - was immer sie sich wünschen. Ich würde ihnen SO viel zahlen, dass der Job begehrt ist.

Der Klimagipfel ist wie die Politik, schöne Rhetorik mit zu wenig Substanz. Im Großen wie im Kleinen bleibt alles beim Alten, und jeder soll sein eigenes Auto fahren, nur grüngewaschen. Ich verstehe noch immer nicht, wofür genau dieser Elon Musk so gefeiert wird. Der hat gerade NICHT eine Wende in der Mobilität gebracht, sondern eben diese verhunzt; es geht nach wie vor um Individualverkehr, nur anders.

Ich habe von einer Untersuchung gelesen, nach der 2030 - beruhend auf derzeit bestehenden Beschlüssen und Regelungen - das reichste 1 % der Erdbevölkerung für 16% der Gesamtemissionen verantwortlich sein werden. Aber bitte - nur ja keine „Neiddebatte“. Abgeben und Teilen darf nicht verlangt werden. Wieso nicht? Ich bin nicht neidisch, ich bin mit meinem Leben rundum zufrieden, und ich habe nichts gegen Reiche. Aber ich habe was gegen asoziales Verhalten, und die Superreichen, so sie nicht selbst merken, dass da etwas in Schieflage gerät, gefährden den sozialen Frieden und unser Biotop Erde. Die fucken es ab vor lauter Gier und immer „noch mehr“.

So seltsam es ist, ich gewöhne mich an den Krisenmodus mehr, als mir lieb ist, weniger aus Gleichgültigkeit oder Ignoranz. Ich gebe mich auch keinen Illusionen hin. Es sieht denkbar schlecht aus für die Zukunft der Hominiden und des Planeten, wie wir ihn kennen. Ich gebe auch nicht auf; ich tue, was ich kann, um nichts kaputtzumachen, um unseren Fußabdruck zu minimieren. Aber ich will nicht verzweifeln. Es ist zu groß. Egoismus und Gier sind zu groß. Wenn das die Art ist, wie der Markt regelt, dann ist der Markt ein Arschloch. Und Arschlöchern überlässt man nicht einfach. Anders lässt sich das nicht ausdrücken. Wenn ich schon den sozialen Frieden wahren muss, indem ich mir mehr Gelassenheit abverlange als vielleicht gut ist,  dann will ich wenigstens kein allzu großes Blatt vor den Mund nehmen müssen. Und mehr gibt es für den Moment nicht dazu zu sagen.

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