Aktion T4 – Reise in den Tod – Gegen Verleugnen und Vergessen

Am Donnerstag, 5. März 2026, um 19 Uhr lädt der Arbeitskreis der Lokalen Agenda Rottweil „Zusammenleben in der Gesellschaft“ in den Festsaal des Alten Gymnasiums ein. Der Abend trägt den Titel: „Aktion T4 – Reise in den Tod – gegen Verleugnen und Vergessen“.

Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit einem der ersten systematisch organisierten Massenmorde des NS-Regimes – und die Frage, was das heute mit uns zu tun hat.
Der Eintritt ist frei.

Wie es zu dieser Veranstaltung kam

Der Impuls entstand nicht aus aktuellem Aktionismus, sondern aus einem längeren Prozess.
Vor rund anderthalb Jahren hatte Referent Konrad Flegr bereits eine ähnliche Veranstaltung durchgeführt. Das Thema ließ die Beteiligten nicht mehr los. Immer wieder kam die Frage auf: Warum wissen so viele zwar grob, was „damals“ geschah – aber kaum jemand, wie nah das alles war?
Grafeneck liegt auf der Schwäbischen Alb. Rottenmünster liegt mitten in Rottweil. Und doch ist vielen nicht bewusst, welche Verbindung es gibt.
Hinzu kommt ein wachsender gesellschaftlicher Diskurs über Inklusion, Teilhabe, soziale Standards und Menschenrechte. Die Initiatoren betonen ausdrücklich:
Es geht nicht darum, Institutionen oder Personen anzuklagen.
Es geht darum, einen aktuellen Bezug herzustellen – und wachsam zu bleiben.

„Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass sowas nie wieder passiert“, heißt es im Vorbereitungsgespräch.
Dass das Thema bewegt, zeigt die Resonanz im Vorfeld: Zahlreiche Kooperationspartner unterstützen die Veranstaltung – von der Volkshochschule über kirchliche Bildungsträger bis hin zur Initiative Gedenkstätte Eckerwald, der Israelitischen Kultusgemeinde und dem Vinzenz von Paul Hospital. Die Veranstalter sprechen davon, „offene Türen eingerannt“ zu haben. Offenbar gibt es einen großen Bedarf an Einordnung und Austausch.

Eine persönliche Dimension

Mitinitiatorin Ruth Gronmayer ist Behindertenbeauftragte der Stadt Rottweil. Sie sitzt selbst im Rollstuhl. Menschen mit Behinderung galten im NS-Staat als „lebensunwert“. Viele wurden entrechtet, zwangssterilisiert und ermordet. Dass eine heutige Behindertenbeauftragte diese Veranstaltung mit anstößt, verleiht dem Abend eine besondere Tiefe – ohne Pathos, aber mit klarem Wertekompass.
Es geht um Würde. Um Teilhabe. Um das uneingeschränkte Recht jedes Menschen auf Leben.

Die Geschichte als Mahnmal aktueller Entwicklungen

Der Abend soll kein rein historischer Vortrag sein. Die Geschichte ist Ausgangspunkt – nicht Endpunkt. Referent Konrad Flegr wird die ideologische Vorgeschichte, die organisatorischen Strukturen und die konkreten Geschehnisse rund um Grafeneck erläutern. Gleichzeitig soll der Blick in die Gegenwart gerichtet werden: Welche gesellschaftlichen Strömungen beobachten wir heute? Wie stabil sind Menschenrechte wirklich? Und wo beginnt Ausgrenzung im Kleinen?

Ein Satz aus den Vorbereitungen bringt die Motivation auf den Punkt:
„Das soll nicht nur geschichtlich sein.“
Erinnern bedeutet Verantwortung übernehmen. Nicht nur rückblickend, sondern jetzt.

Was Besucher am 5. März erwartet

Die Veranstaltung ist bewusst dialogisch angelegt.
Nach dem Vortrag gibt es Raum für Austausch – zunächst in einer größeren Pause mit Gelegenheit zu Gesprächen im Foyer, anschließend im Plenum. Fragen sind ausdrücklich erwünscht.
Den Organisatoren ist wichtig zu betonen: Wer zwischendurch eine Pause braucht, darf sie sich nehmen. Das Thema ist schwer. Der Abend soll informieren – nicht überfordern.
Zugleich verstehen die Initiatoren die Veranstaltung als möglichen Auftakt. Wenn Interesse besteht, könnten sich weitere Formate anschließen – etwa vertiefende Gespräche oder Exkursionen.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Warum dieser Abend wichtig ist

Die Verbrechen der „Aktion T4“ waren kein fernes, anonymes Geschehen. Sie betrafen Menschen aus ganz Baden-Württemberg. Aus Familien. Aus Städten. Aus unserer Region.
Viele Angehörige erhielten damals Postkarten mit der Nachricht, ihre Verwandten seien an einer „harmlosen Erkrankung“ gestorben. Systematisch organisiert, bürokratisch verschleiert.
Geschichte beginnt nicht mit Auschwitz. Grafeneck war eine der ersten Stationen dieser tödlichen Entwicklung. 
Wer verstehen will, wie demokratische Werte erodieren können, sollte hinschauen – bevor Ausgrenzung wieder salonfähig wird.

Hintergrund: Was war die „Aktion T4“?

Die sogenannte „Aktion T4“ war ein staatlich organisiertes „Euthanasie“-Programm des nationalsozialistischen Regimes.

Der Name leitet sich von der Adresse Tiergartenstraße 4 in Berlin ab – dem Sitz der zentralen Verwaltungsstelle. Zwischen 1939 und 1941 wurden in mehreren Tötungsanstalten, darunter Grafeneck, zehntausende Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen ermordet.

Grafeneck war 1940 die erste systematische Vernichtungsstätte dieser Art. Über 10.600 Menschen wurden dort getötet. Die dort erprobten Methoden dienten später als organisatorisches Modell für weitere Massenmorde.

Die „Aktion T4“ gilt heute als eines der frühesten Beispiele staatlich organisierter industrieller Tötung im NS-Staat.

Veranstalter & Kooperationspartner

  • Arbeitskreis der Lokalen Agenda Rottweil „Zusammenleben in der Gesellschaft“
  • Volkshochschule Rottweil
  • Initiative Gedenkstätte Eckerwald e.V.
  • Verein Ehemalige Synagoge Rottweil e.V.
  • Israelitische Kultusgemeinde Rottweil/VS
  • Evangelisches Bildungswerk SüdwestWürttemberg
  •  Katholische Erwachsenenbildung (keb) Kreis Rottweil e.V.
  • Vinzenz von Paul Hospital gGmbH - Rottenmünster

Initiatorin: Ruth Gronmayer
Vortrag von Konrad Flegr, Aktionsgemeinschaft GIEB
Moderation: Jörg Gronmayer

Weitere Informationen:

Das Bild zeigt die Gedenkstätte Grafeneck, die an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen erinnert. 


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5. März 2026
Donnerstag   
Veranstalter:
Lokale Agenda 21 Rottweil
Ruth Gronmayer
Telefonnr. : 0741 34877054
behindertenbeauftragte@rottweil.de
Veranstaltungsort:
Altes Gymnasium – Festsaal
Kapellenhof 6
78628 Rottweil
Zum Routenplaner
Event Homepage:
rosswasen-rw.de

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