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  • Auto & Mobil

Mobilität der Zukunft: das Elektroauto ist nicht die Lösung

Professor der Fachhochschule Karlsruhe zu Gast im Kapuziner
Rottweil, 24.07.2019 von Frank Chudoba
Das Elektroauto - Teil des Mobilitätskonzeptes der Zukunft?
copyright Petair - fotolia.com

Wie werden wir uns in der Zukunft forbewegen?
Dieser Frage ging Prof. Dr.-Ing. Christoph Hupfer, Professor für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der Hochschule Karlsruhe, in seiner Arbeit nach. In Rottweil präsentierte er seine Ergebnisse und diskutierte in den gut besuchten Räumen des Kapuziners.

Forum für Rottweil, Lokale Agenda Gruppen, VCD Kreisgruppe Schwarzwald-Baar-Rottweil, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Baden-Württemberg, Bürgerforum Perspektiven Rottweil hatten zum Vortrag und zur Diskussion eingeladen: Mobilität der Zukunft - was geht…?

"Elektrisch soll sie sein, die Mobilität der Zukunft, autonom, digital und intelligent. Autofahren mal ganz anders als heute! Besser! Echt! Wird denn alles gut, wenn wir diese „Mobilität der Zukunft“ nur endlich kaufen können? Und was ist denn dann eigentlich ganz anders, voll zukunftsfähig? Und überhaupt - was ist eigentlich Mobilität?", lautete die Einladung.

Der Professor machte schon früh deutlich:
Mobilität ist mehr als Verkehr und Parkplätze.

Und: Wir haben keine technische Probleme sondern Entscheiderprobleme.

Bei der Mobilität wären u.a. folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Motivation: Warum möchte ich reisen?
  • Ziel: Wohin möchte ich reisen?
  • Wege: Welche Strecke nutze ich?
  • Verkehrsmittel: Welches nutze ich?
  • Zeit: Zu welcher Zeit reise ich?

Schaut man in die Geschichte des Automobils zurück, stellt sich überraschend raus:
Die ersten Autos waren E-Fahrzeuge - mit 37 km Reichweite. Klingt wenig. Doch es ist die gleiche Reichweite, die der als Zukunft der Mobilität gepriesene BWW i8: 37km im reinen Batteriebetrieb.
Ebenso zeigt Verkehrsplaner alte Parkplatzkonzepte auf, die nicht realisiert wurden:
Fahrzeuge sollten per Lift zum jeweiligen Stellplatz transportiert werden. Das spart deutlich den Parkraum, der in Innenstädten immer knapp ist.
Doch das Mobilitätskonzept der Zukunft heiße nicht E-Auto und Parkplätze, sondern bindet alle Facetten der Fortbewegung mit ein.

So bringt der Referent auch gleich den Zusammenhang Gesundheit und Mobilität mit ein. Die Deutschen bewegen sich zu wenig, erkranken und sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie Herzinfarkt. Kleine Strecken sollten daher zu Fuß, mittlere mit den Fahrrad zurück gelegt werden. Der Weg vom Bahnhof zur Innenstadt mit seiner Steigung sei aber schon eine Herausforderung, so der Professor, der mit der Bahn angereist ist.

Der Vortrag wurde kein Lobgesang auf E-Mobilität.  Diese begründet er mit der umweltbelastenden Gewinnung der Rohstoffe und einer CO2-Bilanz, die erst in mehreren Jahren zu tragen käme. Dazu gäbe es ein Recycling-Problem. Lithium sei zudem ein endlicher Bodenschatz. Eine Alternative zum Lithium-Akku wäre die Brennstoffzelle. Bei BMW und Daimler wäre die Entwicklung quasi fertig. Diese würden jedoch dem Trend der Elektro-Mobilität folgen.

Einweiteres Beispiel, dass allein die Elektro-Mobilität die Lösung wäre, ist Norwegen.
Dort fahren sie - scheinbar mit guten Gewissen - mehr Auto. 
Vorher 65% PKW, 25% ÖPNV, jetzt mit einen hohen Anteil an E-Autos: 84% PKW, 4% ÖPNV.

Es kommt bei der Mobilität nicht auf den Individualverkehr an, sondern auf ein richtiges Mobilitätskonzept

Dabei führt er ein praktisches Beispiel an: Mobilitätsverbund RegioMOVE

Das Konzepte enthält die

  • Aktive Mobilität
    • Stadt der kurzen Wege
    • attraktive Räume und Wege Fuß/Rad
  • Multimodales Verhalten
    • aktivitätsgerechtes Angebot (Sharing Auto/Fahrrad)
    • verlässliche Verknüpfung
  • Umverteilung
    • Fläche, Kapazität, Attraktivität, Öffentlichkeitsarbeit, zu den richtigen Verkehrsmitteln
  • Positive Emotionen wecken
    • Mobilitätsentscheidungen sind (auch) emotionale Entscheidungen

Der Erfolg hängt  davon ab, welchen Stellenwert der Öffentliche Nahverkehr hat und verweist auf das positive Beispiel in Zürich.
Die notwendigen Schritte wären: Denken, Planen, Entwickeln, Handeln

Man müsse als erstes die Bedingungen schaffen, die Menschen mit Alternativen begeistern.
Nicht mit erhobenen Finger agieren.

In der nachfolgenden Diskussion beklagten sich die Gäste, dass sie selbst auf dem Weg zur Arbeit (z.B. Rottweil - Balingen - Tübingen) aufgrund fehlender Verkehrsanbindung immer auf das Auto angewiesen seien.
Von den Verkehrsbetrieben fühlen sie sich nicht ernst genommen: "man könnte ja auch die fehlenden Verbindungsstücke zu Fuß laufen". Bei jedem Wetter?

Vorbilder für Rottweil?
"Es gäbe keine Blaupausen.", so der Gast aus Karlsruhe. Er habe sich Rottweil am Tage angeschaut, doch kenne die Strukturen nicht, um Rottweil mit anderen Städten vergleichen zu können. Doch eines ist er sich sicher: Fuß und Rad haben besondere Bedeutung.

Wer sich intensiver mit dem Thema Mobilität beschäftigen möchte, findet hier in Kürze eine Linksammlung.

 

Zum Referenten:

Referent ist Prof. Dr.-Ing. Christoph Hupfer. Er ist seit 2001 Professor für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft. Als Gründungsdekan der Fakultät für Informationsmanagement und Medien baute er auch den Studiengang VerkehrsSystemManagement auf, der sich zum TOP 1 Studiengang an der Hochschule entwickelte* und einen wesentlichen Anteil am Forschungsvolumen der Hochschule begründet. Christoph Hupfer ist auch in der Forschung erfolgreich. Seine aktuellen Schwerpunkte liegen in der Multimodalen Mobilitätsqualität, der Nahmobilität und der Verkehrssicherheit.


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