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Klimaaktivisten sind nicht Schuld an der Misere der Automobilindustrie

Fridays for Future-Demo am 29.11.2019 in Rottweil
Rottweil, 01.12.2019 von Frank Chudoba
copyright Rottweil inside

Bereits zum 7. Mal gingen Klimaaktivisten in Rottweil auf die Straße. Ausgehend vom Stadtgraben, über die kurzfristig für den Autovekehr gesperrte Hochbrücktorstraße bis hin zum Rathaus machten sich etwa 120 Personen von 8 bis 80 Jahren lautstark und mit Plakaten auf dem Weg, dass sich Politik und Konzerne stärker für das Klima einsetzen mögen. Der 29. November wurde von Fridays for Future als bundesweiter Aktionstag angesetzt, nachdem die Bunderegierung ein Maßnahmenpaket zum Klimaschutz vorgestellt hat, welches nach Ansicht der Aktivisten und Wissenschaftler nicht ansatzweise ausreiche, um unter anderen das gesetzte Ziel zu erreichen, den CO₂-Ausstoss zu reduzieren und die Klimaerwärmung unter 1,5 Grad zu halten. Nach einem in dieser Woche veröffentlichten Bericht wären in Deutschland diese höheren Durchschnittstemperaturen schon dieses Jahr erreicht worden. Vertrocknete Ernten und Wälder, extreme Temperaturen, Niedrigwasser in den Flüssen und stärkere Stürme machen diesem Land schon heute zu schaffen. Die Asiatische Tigermücke, die in warmen Regionen beheimatet ist, breite sich in Baden-Württemberg aus

Zudem findet vom 2. bis 13. Dezember die Weltklimakonferenz in Madrid statt. Diese sollte erst in Chile stattfinden, wurde jedoch wegen der dortigen Unruhen in die spanische Hauptstadt verlegt.

Für viele sind diese Anzeichen scheinbar kein Grund, sich für das Klima einzusetzen. Der Mensch sei nach dessen Ansicht dafür nicht verantwortlich, auch wenn diese These nicht mit den wissenschaftlich ermittelten Zahlen standhalten kann. Stattdessen berufen sie sich auf Zahlen, welchen von Mineralölkonzernen und Unternehmen, die mit der Missachtung der Umwelt ihr Geld verdienen, verbreitet wurden. 
Sie geben mit zum Teil übelsten Beleidigungen Klimaaktivisten die Schuld am Arbeitsplatzabbau in der Automobilbranche.

Aus diesem Grund wollen wir die Aspekte vorstellen, die zur negativen Entwicklung in der Automobilbranchen geführt haben:

Große Entlassungwellen in der Automobilindustrie sind Hausgemacht

Audi hat aktuell angekündigt 9500 Jobs in Deutschland abzubauen. Auch BMW, Mercedes und Autozulieferer Bosch plant drastische Kürzungen. Mit einem Jahresumsatz von über 400 Milliarden Euro gehört der Automobilbau zur deutschen Schlüsselindustrie. Fast 830.000 Menschen seien bei Herstellern und Zulieferbetrieben beschäftigt (Stand 2016).

Seit Jahren versucht die Politik mit Steuergeldern den zurückgehenden Absatzzahlen entgegenzuwirken. In den vergangenen 10 Jahren wurde die Automobilindustrie mit über 1 Milliarde Euro subventioniert. Der Bund hat zusätzlich in fünf Jahren 800 Millionen Euro bei Automobilherstellern für deen Fuhrpark ausgegeben, inbesondere bei Volkswagen und Daimler. Besonders Dienstwagen genießen Privilegien: Diese werden mit 3,1 Milliarden Euro steuerlich begünstigt. Für die Pendlerpauschale (Stand 2017) verzichtet der Staat jährlich auf 5,1 Milliarden Euro Steuereinnahmen.

Kritiker geben der Fridays für Future Klimabewegung die Schuld am Niedergang der Automobilindustrie. Verantwortlich für die schlechte Situation der ehemaligen deutschen Vorzeigeindustrie sind jedoch andere:

Der Staat subventioniert die Automobil-Industrie mit Milliarden an Steuergeldern

Infolge des dramatischen  Rückganges der Verkaufszahlen von Neuwagen während der Finanzkrise 2007 hat das Bundeskabinett den Vorschlag des Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie zugestimmt, finanzielle Anreize für den Kauf eines Neufahrzeuges zu schaffen. Mit der als Abwrackprämie bekannten "Umweltprämie" sollte durch die Erneuerung der Fahrzeugflotte die Schadstoffbelastung in der Luft reduziert werden. Dazu wurden 5.000.000.000 (5 Milliarden) Euro vom Staat bereit gestellt. Über 1,7 Millionen Neufahrzeuge wurden damit subventioniert.
Zahlen und Fakten zur Abwrack-/Umweltprämie auf Wikipedia

Aktuell möchte die Bundesregierung den Verkauf von Elektrofahrzeugen durch finanzielle Anreize fördern. Mit einer Erhöhung der Pendlerpauschale möchte man scheinbar das Autofahren attraktiv gestalten und die Mehrbelastung durch die kommende CO₂-Steuer 
kompensieren. Doch hier fehlen zukunftsfähige Konzepte: Fragen zur Beschaffung der notwendigen Rohstoffe zur Herstellung der Batterien sind ebenso wenig geklärt, wie dessen Entsorgung und vor allem, woher die zusätzliche Energie kommen soll, klimaverträglich versteht sich. Die Mobilität der Zukunft muss viele Facetten berücksichtigen. Der Individual-Verkehr oder das Elektroauto ist nicht die Zukunft.

Auferlegter Sparzwang rächt sich jetzt

Die Regierung hat das Augenmerk auf die schwarze Null gesetzt, statt auf die Zukunft zu setzen. Die Sparpolitik macht sich bei Forschung, Bildung und der Digitalisierung besonders deutlich bemerkbar. Fehlende Investitionen der letzten Jahre können vor allem nicht kurzfristig rückgängig gemacht werden. Eine gute Schulbildung, die Ausbildung von Fachkräften - die eine gute Schul- und Ausbildung voraussetzt - und der Aufbau einer digitalen Infrastruktur braucht Jahre. Die Bürokratie des Landes behindert die schnelle Umsetzung von Maßnahmen. Flexible und kreative Startups werden gegenüber Konzernen steuerlich und rechtlich ungleich behandelt. Die Folge ist die Abwanderung von Fachkräften ins Ausland.

Präkere Beschäftigung und die hohe Zahl der Leiharbeiter - auch in der Automobilindustrie - täuschen über die tatsächliche Beschäftigungslage hinweg. Die Angst seinen Arbeitsplatz zu verlieren und vor Altersarmut nimmt deutlich zu.
Die Ausgaben für Unterkünfte, Nebenkosten (wie Müll) und Energie steigen extrem.
Knapp 7 Millionen Privatpersonen sind in Deutschland überschuldet.
Die Kauflaune ist trotz aller Verlautbarungen in der Presse betrübt. 

Junge Leute haben keine Lust mehr auf das eigene Auto

Früher galt oftmals: Mit Beginn der Volljährigkeit wurde erst einmal der Führerschein gemacht. Das erste Auto stand dann kurzerhand vor der Tür. Doch die Jugend hat offenbar die Lust am eigenen Auto verloren. Dieses hat vielschichtige Gründe:
Während das Auto früher einfach cool war, haben sich Interessen verschoben. 
Besonders die Hohen Versicherungsprämien für Fahranfänger haben die Lust am eigenen Auto genommen. Diese müssen mit einem Versicherungsbeitragssatz von 230% beginnen, wenn die Versicherung nicht auf den Namen der Eltern läuft.
Umwelt und Klimaschutz spielen nur bei wenigen eine Rolle, auf das Auto zu verzichten.
Während in in den letzten Jahren der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel versäumt wurde und die Preise von der Nutzung abschrecken, boten Buslinien wie Flixbus preisgünstige Alternativen zum Reisen um attraktive Ziele zu erreichen.

Wer ein eigenes Auto benötigt, wird im Internet mit Angeboten zugeschüttet. Plattformen, die Gebaruchtfahrzeuge an- und verkaufen gehören zu den großen Playern. Marktplätze in den sozialen Medien drängen sich geradezu auf. Die Frage nach einem neuen Auto stellt sich aufgrund des deutlich günstigeren Preises kaum noch. 

Das Auto besitzt bei jungen Leuten nicht mehr das Statussymbol vergangener Jahre.
Neuwagenkäufer werden älter.

Das Handelsblatt berichtete im Mai 2017, dass die PKW-Käufer immer älter werden. "Junge Menschen sehen häufig keinen Sinn mehr darin, sich einen eigenen Wagen zuzulegen". 
Älter werden nicht nur die Käufer, sondern auch die Autos selber: Derzeit sind die PKW auf deutschen Straßen im Schnitt 9,5 Jahre alt. 1995 lag das Durchschnittsalter bei 6,8 Jahre.
Aber auch die Älteren kaufen immer weniger Neuwagen, halten an ihrem "Alten" fest.
Auch hier gibt es mehrere Gründe: Die Wagen haben meist nicht nur eine höhere Lebensdauer, der Modellwechsel sei für Sie uninterssant, da auch die Preise überproportional gestiegen sind und die Modelle sich nur wenig von den Vormodellen unterscheiden. Andere kritisieren den Einheitsbrei. Die Autos seien immer weniger voneinander zu unterscheiden.

Die Automobilbranche hat reagiert, jedoch nicht mit Blick in die Zukunft:
SUV bieten besonders älteren Menschen mehr Komfort, besonders beim Einsteigen und Sitzen. Aerodynamik scheint nicht mehr so wichtig. Der Verbrauch steigt, die Nebenkosten ebenso. In Zeiten, in denen Umwelt, Klima und das Schonen von Ressourcen eine größere Rolle spielt, passen SUV nicht in die Landschaft.

Das Elektroauto wird aufgrund der vielen ungeklärten Fragen (siehe oben) noch skeptisch gesehen. Wasserstoff-betriebene Fahrzeuge stehen in der Entwicklung hintendran. 
Die Unsicherheit hinsichtlich Fahrverbote hält potentielle Käufer zurück. 
 

Die Automobilbranche hat das Vertrauen der Kunden verloren

Der starke Einfluss der Lobbyisten auf die Politik und die Gesetzgebung hat es der Automobilindustrie gestattet, das Thema Umwelt zu umgehen. Alternative Antriebstechnologien wurden nur halbherzig entwickelt. Während die deutsche Automobilindustrie auf eine hundert Jahre Technologie der Verbrennungsmotoren setzte, entwickelten Startups wie Tesla Alternativen. Selbst die Deutsche Bundespost entwickelte eigene Fahrzeuge mit E-Motoren, da der Markt diese nicht liefern konnte.

Das Kartell der Automobilhersteller Daimler, VW und BMW soll nach Berichten des Spiegel nicht nur Preise abgesprochen haben, sondern gezielt moderne Umwelttechnik verhindert haben. Diesen drohe seitens der EU hohe Strafen in Milliardenhöhe.

Erst der im September 2015 bekannt gemachte "Dieselskandal" führte zu einer Verkehrswende in der politischen Diskussion. Doch auch vier Jahre später kommen Fakten nur scheibchenweise  ans Tageslicht. Hier hat die Justiz samt Politik verpasst, rechtliche Konsequenzen einzuleiten. Der Kunde fühlt sich betrogen und verunsichert. Mit einem Schlag wurde sein Diesel unverkäuflich und verlor extrem an Wert. Fahrverbote in mehreren Städten machen den Diesel unbrauchbar. Entschädigungen werden wohl ausbleiben. Nachrüstungen seien - anders als in den USA - in Deutschland nicht möglich.

Diesel-Fahrverbote wurde bereits im Februar 2018 ausgesprochen, Monate vor Beginn der FFF-Bewegung. Der Abgasskandal hat bereits seit Ende 2015 Einfluss auf die Rendite. Viele Fahrzeuge werden seit Jahren mit hohen Rabatten verkauft, was zwar dafür gesorgt haben soll, dass die Absatzzahlen einigermaßen stabil blieben, die Gewinne stark schrumpften.

Dieser Manipulationsskandal brachte die deutsche Industrie in Misskredit. Neben der Schädigung des Rufes verlieren betroffene Konzerne viel Geld durch Strafzahlungen, welches ebenso in der Forschung fehlt, wie zur Beschäftigung qualifizierter Mitarbeiter.
Die Medien haben geschwiegen, um Deutsche Arbeitsplätze zu schützen. Dieses hat sich  in einem Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung und dem SWR beim Treffen mit dem Deutschen Fachjournalisten-Verband herausgestellt. Eine kritische Berichterstattung hätte Unternehmen frühzeitig zum Umdenken bewegen können. 

Exporte setzen deutsche Automobilbranche stärker unter Druck

Die US-Wirtschaft setzt darauf, ihre eigenen Unternehmen vor unliebsamer Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen. Importe werden durch Strafzölle unattraktiv. Auch die chinesische Wirtschaft floriert nicht mehr so, wie gewohnt. Besonders betroffen davon sieht sich auch die deutsche Automobilindustrie. 

2018 wurden Kraftwagen und Kraftwagenteile in Höhe von 229,7 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert. So ist das Auto seit nunmehr 2010 Deutschlands wichtigstes Exportgut, vor Maschinen (193,2 Milliarden Euro) und chemische Erzeugnisse (117,7 Milliarden Euro). 
Die USA ist mit 27,2 Milliarden Euro der größte Abnehmer. 
Der Brexit schafft dazu weitere Unsicherheiten. 

Dennoch: Die Zahl der Autos nimmt nicht ab: über 47 Millionen Autos

Man mag aufgrund der o.a. Entwicklungen denken, dass die Zahl der PKW zurück gehe.
Dieses ist nicht der Fall. Laut Kraftfahrtbundesamt sind 47,1 Millionen (Stand Januar 2019) PKW angemeldet. 30,8% der Halter sind über 60 Jahre alt. Nur 26,3% entsprechen der Euro-6-Norm. Die Staus auf deutschen Straße nimmt zu (+3% im Jahr 2018 zum Vorjahr). Schon heute verbringt der Deutsche im Schnitt 120 Stunden jährlich im Stau.

Die Aktienkurse und der Umsatz mit den Fahrzeugen lassen auf den ersten Blick keine Rückschlüsse auf eine notwendige Personalreduzierung zu. Die geplanten Einsparungen beim Personal folgen einer pessimistischen Haltung und einem pessimistischen Blick in die Zukunft. Die bevorstehenden Strafzahlungen und Ansprüche von Kunden wird erhebliche finanzielle Belastungen mit sich bringen. Das Personal wird geopfert, um die Verluste zu verringern.
 

Blick in die Zukunft

War das Auto früher noch das Statussymbol, so dient es heute vorrangig dazu, sich von A nach B zu bewegen: Zur Arbeit, zum Einkauf, zum Reisen. Fahrgemeinschaften nehmen zu, um Kosten zu sparen und die stark gestiegenen Kraftstoffpreise und Parkgebühren zu umgehen. 

Die öffentlichen Verkehrsmittel und dessen Attraktivität wird ein wesentlicher Teil für die klimaverträgliche Fortbewegung, zusammen mit einer neuen Fahrradkultur.

Das temporäre Mieten und sogar Teilen eines Fahrzeuges wird durch die Digitalisierung und Ausbau der Angebote immer attraktiver und ist zudem ein großer wirtschaftlicher Aspekt. 

"Kein Unternehmer würde eine Maschinen anschaffen,
die zu 95% ungenutzt rumsteht."

 

Die "Geschäftspraktiken" der Automobilbranche (z.B. Kartelle, Manipulation) und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind nicht Folge einer Klimabewegung.
Produziert die Automobilindustrie am Markt und an der Umwelt vorbei, ist auch dieses den Konzernchefs und nicht den Schülern und Aktivisten anzukreiden.

Vielmehr gilt:
 

"Welche es schaffen und wer künftig gefährdet ist, hängt vor allem von der Fähigkeit ab, sich den Veränderungen anzupassen"
Mogge von Roland Berger zur deutschen Autoindustrie

 

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